Wilde Schwäne - ein Märchen
Baba-Jaga - ein Märchen
Die Froschkönigin
- ein Märchen
Pilipka, das Söhnchen - ein
Märchen
Finist der edle Falke - ein Märchen
Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten zwei Kinder, ein Mädchen und einen Buben.
"Töchterchen", sagte die Mutter "wir gehen jetzt zur Arbeit. Gib acht auf dein Brüderchen. Spiel nur auf dem Hof. Wir bringen dir auch ein buntes Tüchlein mit!"
Als die Eltern fort waren, setzte das Mädchen ihren Bruder vor dem Fenster ins Gras und lief auf die Straße spielen. Da kam ein Zug wilder Schwäne daher, die hoben den Jungen in die Höhe und trugen ihn mit sich fort.
Als das Mädchen zurückkehrte, war ihr Brüderchen weg. So sehr sie auch rief und weinte, der Junge ließ sich nicht sehen. Sie lief hinaus aufs freie Feld und sah in der Ferne, hinter den Wäldern, einen Zug wilder Schwäne verschwinden. Sie hatte schon viel Böses von den wilden Schwänen gehört und ahnte nun, wer ihr Brüderchen mitgenommen hatte.Verzweifelt lief das Mädchen den Schwänen hinterher. Nach einer Weile kam es an einen Ofen.
"Ofen, kannst du mir nicht sagen, wo die wilden Schwäne hingeflogen sind?"
Der Ofen antwortete: "Iß erst von meinem Roggenfladen, dann sag ich es dir."
"Ich mag aber keinen Roggenfladen. Wir essen zu Hause immer Weizenbrot!" So also schwieg der Ofen.
Sie lief weiter und kam zu einem Apfelbaum:
"Apfelbaum, kannst du mir nicht sagen, wo die wilden Schwäne hingeflogen sind?"
"Iß einen meiner Holzäpfel, dann sag ich es dir!"
"Wir haben zu Hause viele süße Äpfel", entgegnete das Mädchen. Auch der Apfelbaum schwieg.
Als das Mädchen wider ein ganzes Stück gelaufen war, kam es an einen Milchfluß mit Ufern aus Grütze.
"Sag mir Milchfluß, wo sind die wilden Schwäne hingeflogen?"
"Koste von meiner schlichten Grütze, dann will ich dir weiter helfen!"
"Bei meinem Vater gibt es süße Sahne", erwiderte das Mädchen.
Weiter lief es durch Wälder und Felder. Als es Abend wurde, wollte sie umkehre. Da sah sie eine kleine Hütte, die auf einem Hühnerbein stand und sich um sich selber drehte. Drinnen saß die Baba-Jaga und spann. Neben ihr saß das kleine Brüderchen und spielte mit silbernen Äpfelchen.
"Guten Tag Großmütterchen!""Guten Tag Mädchen, was willst du hier?"
"Mein Kleid ist so naß, ich möchte mich ein wenig wärmen!"
"Dann setz dich hier hin und spinn so lange", sprach die Baba Jaga und ging hinaus. Das Mädchen begann zu spinnen. Plötzlich kam ein Mäuslein unterm Ofen hervor und wisperte: "Mädchen, kleines Mädchen, gib mir ein wenig Brot. Ich will dir etwas Wichtiges sagen!" Das Mädchen gab ihm Brot. Das Mäuschen piepste:
"Die Baba-Jaga heizt das Badehaus ein. Drin will sie dich seifen und schrubben, dann steckt sie dich in den Ofen, brät dich schön gar und frißt dich dann mit Haut und Haar."
Da fing das Mädchen bitterlich zu weinen an und zitterte vor Angst. Das Mäuschen aber mahnte:
"Beeile dich, nimm dein Brüderchen und lauf davon. Ich will für dich weiterspinnen!"
Das Mädchen nahm den kleinen Bruder auf den Arm und lief so schnell es konnte, davon. Die Baba-Jaga aber kam ans Fenster und fragte: "Spinnst du, Mägdelein?" "Ja Großmütterchen", antwortete das Mäuschen.
Als im Badehaus das Feuer loderte, wollte die Baba-Jaga das Mädchen holen. Aber es war verschwunden. Sie wütete und rief:"Ihr wilden Schwäne fliegt aus und holt mir die beiden wieder nach Haus!" Als das Mädchen am Fluß angekommen war, sah es die wilden Schwäne kommen. Sie bat den Fluß:"
"Lieber Fluß, bitte verbirg uns vor den Schwänen!" "Iß erst von meiner schlichten Grütze!" Das Mädchen tat, wie ihm geheißen und der Fluß versteckte die Geschwister im Schatten seiner Ufer.
Die wilden Schwäne sahen die Kinder nicht und flogen weiter und auch die Geschwister setzten ihren Weg fort. Da aber kehrten die Schwäne um und kamen den Kindern entgegengeflogen. Groß war die Not. Doch da stand der Apfelbaum. "Lieber, guter Apfelbaum, bitte verbirg uns!" "Iß erst von meinen Holzäpfeln!"
Das Mädchen tat es und der Apfelbaum deckte die Kinder mit seinen Blättern zu. Die wilden Schwäne flogen vorbei und das kleine Mädchen lief mit seinem Brüderchen auf dem Arm weiter. Sie waren nicht mehr weit vom Elternhaus entfernt, da stürzten die Schwäne laut krächzend vom Himmel herab. Das Mädchen rannte zum Backofen. "Bitte, bitte, verbirg uns!" "Iß erst von meinem Roggenfladen!" Das Mädchen steckte einen Fladen in den Mund und kroch mit dem Bruder ins Ofenloch. Die Schwäne umschwirrten den Ofen, mußten dann aber endlich unverrichteter Dinge abziehen. Das Mädchen bedankte sich beim Ofen und kehrte mit ihrem Bruder heim. Bald darauf kamen auch die Eltern zurück.![]()
Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein Mann mit seiner Frau. Sie hatten eine Tochter. Die Frau ist unerwartet krank geworden und kurz darauf gestorben. Eine Weile hatte der Mann großen Kummer. Aber war nichts zu machen, er heiratete eine zweite Frau. Die zweite Frau war aber ein sehr böses Weib. Von Anfang an hat sie das Mädchen nicht geliebt, hat sie gescholten und geprügelt. Sie hatte sogar die Absicht, das Mädchen umzubringen! Eines Tages fuhr der Mann aus dem Hause. Die Stiefmutter spricht zu dem Mädchen:
"Geh nur zu meiner Schwester, bitte sie darum, mir Nadel und Zwirn zu geben, um dir ein Kleid zu nähen."
Ihre Schwester war aber Baba-Jaga, knochendes Bein. Das Mädchen konnte ihr nicht widersprechen und ging aus dem Haus hinaus. Dabei kam sie bei ihre Tante vorbei.
"Guten Tag liebe Tante."
"Guten Tag. Was willst du?"
Meine Stiefmutter hat mich zu ihrer Schwester geschickt, um Nadel und Zwirn zu holen."
"Du hast sehr richtig getan, das du vorher zu mir gekommen bist!" - antwortet die Tante.
"Nehme dieses Band, dieses Brot, Öl und ein Stück Fleisch. Wenn dich eine Birke mit den Ästen schlagen möchte und beim Gehen stören wird, so binde die Äste mit dem Band zusammen. Wenn das Tor quietschen und knallen wird und dich nicht durchlässt, so bestreiche die Angel mit Öl. Wenn dich die Hunde beißen und reißen werden, so gebe ihnen Brot. Wenn der Kater dein Gesicht und die Augen zerkratzen möchte, so gebe ihm Fleisch."
Das Mädchen alles verstanden, bedankte sich und machte sich auf den Weg. Sie ging, ging und kam in den Wald. Sieht: Hinter großem Zaun steht eine Hütte auf den Hühnerfüssen. In der Hütte sitzt Baba-Jaga, knochendes Bein und webt.
"Guten Tag, Großmutter."
"Guten Tag Mädchen. Was willst du von mir?"
"Meine Stiefmutter hat mich zu dir geschickt. Gebe mir bitte Nadel und Zwirn, um mir das Kleid zu nähen."
"Jawohl. Du bekommst alles, aber vorher setzte dich und webe."
Da setzt sich das Mädchen ans Fenster und begann zu weben. Baba-Jaga verlässt inzwischen die Hütte und sagt zu ihrem Dienstmädchen:
"Ich gehe jetzt ins Bett. Du sollst die Banja (russische Sauna) heizen und das Mädchen sehr gut waschen. Nach dem Schlaf esse ich es."
Das Mädchen hat ihre Worte aber gehört und hat sich stark erschrocken. Als Baba-Jaga sich ins Bett begab, bittet sie die Magd:
"Erbarm dich, zünde bitte nicht das Feuer im Ofen ein, sondern gieße das Wasser darüber" - und schenkte ihr ein Tuch.Als Baba-Jaga erwachte, fragt sie:
"Webst du, meine Liebe?"
"Ich webe schon..." - antwortet das Mädchen und wendet sich an den Kater:
"Brüderchen Kater, sag mal, wie ich von hier fliehen kann?" Dabei schenkt sie ihm ein Stück Fleisch.
Der Kater antwortet:
"Höre aufmerksam zu. Schau, auf dem Tisch liegt ein Handtuch und ein Kamm. Nimm beide und laufe schnell weg. Baba-Jaga wird dich verfolgen. Du musst aber laufen, laufen, ab und zu lege dich und höre die Erde. Wenn du hörst, das Baba-Jaga ganz nah ist, so werfe den Kamm auf die Erde. An dieser Stelle entsteht sofort ein dicker Wald. Solange Baba-Jaga den Wald passieren wird, laufe weiter aus allen Kräften. Wenn du wieder Baba-Jaga hinter dir hörst, so werfe einen Handtuch. Sofort entsteht auf dieser Stelle ein Fluß..."
"Vielen Dank Brüderchen Kater" - erwiderte das Mädchen. Bedankte sich, nahm ein Kamm und ein Handtuch und lief aus der Hütte".
Alsbald sprangen die Hunde auf sie zu und wollten das Mädchen beißen, in Stücke reißen. Das Mädchen reichte ihnen Brot und somit ließen die Hunde sie in Ruhe. Das Tor quietschte und wollte Ihre Flügel vor ihr schließen. Das Mädchen hat Öl in die Angel gegossen. Das Tor ließ sie passieren. Die Birke verbreitete Ihre Äste wollte sie mit den Ästen aufhalten. Das Mädchen hat die Äste mit dem Band zusammengebunden. Die Birke ließ sie weiter laufen. Das Mädchen läuft aus allen Kräften, ohne sich umzuschauen.
Dazwischen nahm der Kater Platz am Fenster und begann zu weben. Webt? Nein, er fertigt nur Maschen.
Da erwacht Baba-Jaga und fragt: "Webst du Mädchen? Webst du Liebe?"
Der Kater antwortet: "Ich webe, webe..."
Baba-Jaga läuft ins Zimmer und sieht: Das Mädchen fehlt, der Kater sitzt am Fenster und webt.
Baba-Jaga hat den Kater gescholten: "Du bist ein Betrüger! Ein Räuber! Warum hast du das Mädchen nicht aufgehalten? Weshalb hast du ihr nicht das Gesicht und Augen zerkratzt?
Der Kater entgegnete: "Ich diene dir viele Jahre, du hast mir niemals einen Knochen gegeben. Das Mädchen hat mir aber ein Stück Fleisch geschenkt!"
Baba-Jaga läuft aus der Hütte hinaus und zu den Hunden: "Warum habt ihr das Mädchen nicht in Stücke gerissen? Warum nicht gebissen?"
"Wir stehen so viele Jahre in deinen Diensten. Du hast uns niemals eine trockene Brotrinde gefüttert. Das Mädchen hat uns Brot gegeben!"
Baba-Jaga läuft auf das Tor zu: "Warum hast du nicht gequietscht? Warum nicht geknallt? Warum hast das Mädchen durchgelassen?"
"Ich diene dir bereits so viele Jahre. Du hast mir kein Wasser in die Angel gegossen. Das Mädchen hat mich mit Öl geschmiert!"
Baba-Jaga sprang auf die Birke zu: "Warum hast du die Augen des Mädchens nicht mit den Ästen gestochen?"
Die Birke antwortet: "Ich diene dir schon viele Jahre. Du hast mich nie sogar mit dem Zwirn zusammengebunden. Das Mädchen hat mir ein Band geschenkt!"
Da begann Baba-Jaga das Dienstmädchen zu schimpfen: "Du bist eine Dumme! Wieso hast du mich nicht geweckt? Warum hast du nicht gerufen? Warum gestattest du dem Mädchen wegzulaufen?"
"Ich arbeite bei dir viele Jahre. Du hast mit mir nie freundlich gesprochen. Das Mädchen hat mir ein Tuch geschenkt! Hat mit mir zärtlich gesprochen!"
Da sprang Baba-Jaga in den Mörser und nahm die Verfolgung auf. Mit der Keule beschleunigt sich, mit dem Besen fegt die Spure...
Das Mädchen lief die ganze Zeit. Dann legte sie sich auf die Erde. Hört: die Erde zittert und bebt. Da ist Baba-Jaga schon in der Nähe. Das Mädchen holt einen Kamm und wirft ihn auf die Erde über die rechte Schulter. Auf dieser Stelle entstand sofort ein dicker und hoher Wald. Die Wurzeln der Bäume sind tief im Erdreich verwurzelt, die Gipfel halten den Himmel.
Da kam schon Baba-Jaga angeflogen. Sie begann mit dem Wald zu zanken und ihn zu beißen. Baba-Jaga bricht durch den Wald, das Märchen aber macht keine Pause, läuft weiter.
Ob es lange oder kurz war, weiß sie nicht. Doch hört das Mädchen wieder die Erde zittern. Baba-Jaga jagt sie wieder. Sie ist schon ganz nah! Das Mädchen nimmt das Handtuch und wirft es über die rechte Schulter auf die Erde. Da entstand der Fluß, sehr tief und sehr breit!Baba-Jaga ist schon am Ufer und knirscht mit den Zähnen. Sie kann den Fluß nicht überqueren! Kehrte sie zurück, trieb eine Herde von Stieren zu dem Fluß und befahl ihnen Wasser zu trinken.
Die Stiere trinken das Wasser. Es wird nicht weniger. Da ist Baba-Jaga ganz wild geworden. Sie legte sich ans Ufer und trinkt selbst. Trank, trank, trank, bis sie platzte!
Am Abend kehrte der Vater zurück und fragt seine Frau:
"Wo ist meine Tochter?"
"Sie ist zur Tante gegangen, um sie um Zwirn und eine Nadel zu bitten. Sie hat sich scheinbar irgendwo aufgehalten."
Der Vater machte sich bereits Sorge und wollte schon die Tochter suchen gehen. Da lieft das Mädchen ins Haus hinein und ist vom Laufen ganz außer Atem.
"Wo war's du?" - fragt der Vater?
"Ah, mein Vater. Die Stiefmutter hat mich zu ihrer Schwester geschickt. Die Schwester aber ist Baba-Jaga, knochendes Bein! Sie wollte mich fressen... ich konnte ihr kaum entkommen."
Als der Vater das alles erfuhr, so nahm er den schmutzigen Besen und vertrieb damit die bösen Weiber aus dem Haus. Seitdem wohnte er mit seiner Tochter zusammen, freundlich und gut.
Da ist das Märchen zu Ende.![]()
Vor Zeiten lebte ein Zar, der hatte drei Söhne. Als sie ein mannbares Alter erreichten, rief er sie zu sich und sprach:
"Meine liebwerten Söhne, solange ich noch nicht alt bin, möchte ich euch gern verheiraten, um mich an euren Kindern, meinen Enkeln, zu erfreuen."
Die Söhne erwiderten:
"Es sei, Väterchen, gib uns deinen Segen. Wen hast du für uns erwählt?"
"Hört zu. Nehmt jeder einen Pfeil, geht hinaus aufs Feld und schießt ihn, ab. Wo der Pfeil hinfällt, dort wartet euer Schicksal." Die Söhne verneigten sich vor dem Vater, nahmen jeder einen Pfeil, begaben sich aufs Feld, spannten die Bögen und schossen ihre Pfeile ab.
Der Pfeil des ältesten Sohnes fiel auf einen Bojarenhof, die Tochter des Bojaren hob ihn auf. Der Pfeil des zweiten Sohnes fiel auf den weitläufigen Hof eines Kaufherrn, seine Tochter hob ihn auf.
Der Pfeil des jüngsten Sohnes, des Zarewitsch Iwan, schnellte in die Luft und flog davon, wer weiß wohin. Nun machte sich Zarewitsch Iwan auf, den Pfeil zu suchen. Er wanderte und wanderte und gelangte schließlich an einen Sumpf. Dort sah er einen Frosch sitzen, der seinen Pfeil hielt.
Zarewitsch Iwan sprach:
"Fröschlein, Fröschlein, gib mir meinen Pfeil zurück."
Der Frosch aber antwortete:
"Nur wenn du mich heiratest!"
"Wo denkst du hin! Wie kann ich einen Frosch zur Frau nehmen?"
"Nimm mich, so will es dein Schicksal."
Zarewitsch Iwan war sehr bestürzt, aber was blieb ihm übrig? Er nahm also den Frosch und trug ihn heim. Der Zar richtete drei Hochzeiten aus: Den ältesten Sohn vermählte er mit der Bojarentochter, den mittleren mit der Tochter des Kaufherrn und den unglücklichen Zarewitsch Iwan mit dem Frosch.
Eines Tages rief der Zar abermals die Söhne zu sich.
"Ich möchte wissen, welche von euren Frauen am geschicktesten mit der Nadel umzugehen versteht. Bis morgen soll mir jede ein Hemd nähen."
Die Söhne verneigten sich und gingen.
Zarewitsch Iwan kam nach Hause, setzte sich und ließ den Kopf hängen. Der Frosch hüpfte auf dem Fußboden herum und fragte:
"Was betrübt dich, Zarewitsch Iwan? Hast du Kummer?"
"Mein Vater will bis morgen ein Hemd von dir genäht haben."
Der Frosch antwortete :"Gräm dich nicht, Zarewitsch Iwan, leg dich besser schlafen, der Morgen ist klüger als der Abend".
Zarewitsch Iwan legte sich zur Ruhe, der Frosch aber hüpfte auf die Vortreppe, warf die Froschhaut ab und verwandelte sich in Wassilissa die Weise, eine Jungfrau von solcher Schönheit, daß es nicht einmal im Marchen zu beschreiben ist. Wassilissa die Weise klatschte in die Hände und rief:
"Ihr Mägde und Frauen, herzu im Nu! Näht mir bis morgen früh ein Hemd, wie ich es bei meinem Väterchen gesehen."
Als Zarewitsch Iwan am nächsten Morgen erwachte, hüpfte der Frosch wieder auf dem Fußboden herum, das Hemd aber lag schon fertig auf dem Tisch, säuberlich in ein Tuch eingeschlagen. Da freute sich Zarewitsch Iwan, nahm das Hemd und brachte es seinem Vater. Derweil nahm der Zar die Gaben der beiden älteren Söhne entgegen. Der älteste Sohn breitete das mitgebrachte Hemd aus, der Zar sah es an und sagte:
"Ein solches Hemd taugt nur, um es in einer schmutzigen Kate zu tragen."
Der zweite Sohn breitete sein Hemd aus, und der Zar sagte:
"Das taugt höchstens, um ins Bad zu gehen."
Nun breitete Zarewitsch Iwan das Hemd aus, das war kunstvoll mit Gold und Silber gemustert. Der Zar warf nur einen Blick darauf und rief:
"Wahrlich ein Hemd, das man an Festtagen tragen kann."
Die beiden älteren Brüder gingen nach Hause und sprachen miteinander:
"Wir hätten doch nicht über Zarewitsch Iwans Frau spotten sollen, mit ihr scheint's nicht recht geheuer zu sein, vielleicht ist sie gar kein Frosch."
Nach einiger Zeit rief der Zar seine Söhne abermals.
"Eure Frauen sollen mir bis morgen jede ein Brot backen. Ich möchte wissen, welche am besten kocht und backt."
Zarewitsch Iwan ließ den Kopf hängen und ging betrübt nach Hause. Der Frosch fragte:
"Was macht dir Kummer? "
Er antwortete:
"Du sollst bis morgen für den Zaren ein Brot backen."
"Da mach dir keine Sorgen, Zarewitsch Iwan, leg du dich nur schlafen, der Morgen ist klüger als der Abend."
Zuerst hatten die Schwägerinnen über das Fröschlein gespottet, jetzt dagegen schickten sie eine alte Hofmagd aus, die sollte heimlich beobachten, wie der Frosch backen würde.
Das Fröschlein aber war gewitzt und ahnte das. Es rührte den Teig an, brach den Backofen oben auf und schüttete den aufgegangenen Teig ins Loch. Die alte Hofmagd eilte flugs zu den Schwägerinnen, berichtete, was sie erspäht, und die verfuhren nun ebenso. Das Fröschlein aber hüpfte vors Haus, verwandelte sich in Wassilissa die Weise und klatschte in die Hände.
"Ihr Mägde und Frauen, herzu im Nu! Backt mir bis morgen früh ein Brot, schön weich und weiß, wie ich es bei meinem Väterchen gegessen."
Als Zarewitsch Iwan am nächsten Morgen erwachte, sah er das Brot bereits auf dem Tisch prangen, kunstvoll verziert und geschmückt, rundherum gepreßte Muster, obenauf eine ganze Stadt mit Türmen und Zinnen. Da freute sich Zarewitsch Iwan, schlug das Brot in ein Leinentuch und brachte es dem Vater. Der empfing schon die beiden älteren Söhne. Ihre Frauen hatten den Teig in den Ofen geschüttet, wie sie es die alte Hofmagd geheißen, und herausgekommen war nichts als angebrannter Dreck. Der Zar nahm das Brot des ältesten Sohnes entgegen, betrachtete es und schickte es in die Gesindestube. Dann nahm er das Brot des zweiten Sohnes und ließ es ebenfalls dorthin bringen. Aber als Zarewitsch Iwan sein Brot überreichte, rief der Zar:
"Wahrlich ein Brot, um es an Festtagen zu verzehren!"
Nun gebot der Zar seinen drei Söhnen, am nächsten Tag mit ihren Frauen
zu einem Festmahl bei ihm zu erscheinen.
Wiederum kam Zarewitsch Iwan niedergeschlagen nach Hause, der Kopf hing ihm schier auf die Brust herab. Das Fröschlein hüpfte auf dem Boden.
"Quak-quak, warum so betrübt, Zarewitsch Iwan, oder hat dir Väterchen
Zar unfreundliche Worte gegeben ?
"Ach, Fröschlein, Fröschlein, wie sollte ich mich nicht grämen! Väterchen
befiehlt uns beide morgen zum Festmahl, bloß - wie soll ich mich mit dir
den Leuten zeigen? "
Das Fröschlein erwiderte:
"Gräme dich nicht, Zarewitsch Iwan, geh du allein zum Mahl, ich komme nach. Und wenn du es poltern und donnern hörst, so erschrick nicht. Und sollte man dich fragen, so antworte: "Da kommt mein Fröschlein in einem Kästchen gefahren!"
So ging Zarewitsch Iwan allein zum Festmahl.Die älteren Brüder fanden sich mit ihren Frauen ein, die waren geputzt und geschmückt, geschminkt und gepudert. Sie stellten sich hin und lachten Zarewitsch Iwan aus.
"Warum bist du denn ohne Frau gekommen? Hättest sie doch leicht in einem Schnupftuch mitbringen können. Wo hast du bloß so was Schönes aufgetrieben? Hast bestimmt alle Sümpfe danach abgesucht? "
Der Zar setzte sich mit seinen Söhnen, Schwiegertöchtern und Gästen an die eichenen Tafeln, an die linnenen Tücher, die reichgedeckten, um zu schmausen. Plötzlich erhob sich ein Poltern und Donnern, daß das Schloß in seinen Grundfesten wankte. Die Gäste erschraken, sprangen von ihren Sitzen auf, Zarewitsch Iwan aber sprach:
"Ängstigt euch nicht, liebwerte Gäste, es ist bloß mein Fröschlein, das in einem Kästchen gefahren kommt."
Von sechs Schimmeln gezogen, brauste schon eine goldene Kutsche heran, und heraus stieg Wassilissa die Weise, das himmelblaue Kleid mit Sternen besät, auf dem Haupt einen schimmernden Mond. So herrlich schön, wie man's nie geseh'n, nicht zu beschreiben, nicht zu erdichten, nur im Märchen zu berichten.
Sie nahm Zarewitsch Iwan bei der Hand und führte ihn zu den eichenen Tischen, zu den Tüchern von Linnen, den erlesenen Speisen.
Die Gäste schmausten, tranken und waren guter Dinge. Wassilissa die Weise hob den Becher an die Lippen, die Neige schüttete sie jedoch in ihren linken Ärmel, aß vom Schwanenbraten, steckte jedoch die Knöchlein in den rechten Ärmel.
Den Frauen der älteren Söhne entging das nicht, und sie taten es ihr nach.
Nach dem Trinken und Schmausen wurde getanzt. Wassilissa die Weise nahm Zarewitsch Iwans Arm und tanzte und kreiste, wirbelte und schwang sich, daß alles staunte. Auf einmal schüttelte sie den linken Ärmel, und schon entstand ein See; dann schüttelte sie den rechten, da schwammen weiße Schwäne auf der Flut. Der Zar und die Gäste wußten sich nicht zu fassen vor Staunen.![]()
Nun begannen die älteren Schwiegertöchter zu tanzen. Sie schüttelten die Ärmel, bespritzten jedoch nur die Gäste, schüttelten abermals, da flogen die Knochen durch die Luft und einer dem Zaren ins Auge. Der Zar ergrimmte und jagte die beiden hinaus.
Derweil hatte sich Zarewitsch Iwan nach Hause davongestohlen, und dort fand er die Froschhaut, warf sie in den Ofen und ließ sie verbrennen.
Als Wassilissa die Weise heimkehrte, suchte sie vergeblich nach der Froschhaut, sank bekümmert auf die Bank und sprach niedergeschlagen zu Zarewitsch Iwan:
"Ach, Zarewitsch Iwan, was hast du angerichtet! Hättest du nur noch drei Tage gewartet, wäre ich auf ewig dein gewesen. Jetzt aber lebe wohl. Willst du mich finden, so suche hinter dreimal neun Ländern im dreimal zehnten Reich bei Kostschej, dem vorm Tode Gefeiten."
Damit verwandelte sich Wassilissa die Weise in einen Schwan und flog zum Fenster hinaus.
Zarewitsch Iwan vergoß bittere Tränen, verneigte sich nach allen vier Himmelsrichtungen und zog in die weite Welt, sein Weib, Wassilissa die Weise, zu suchen. Er wanderte in die Kreuz und Quere, so manchen Tag, vertrat die Stiefel, zerschliß den Kaftan, der Regen verdarb ihm die Mütze. Einmal traf er ein uraltes Männlein.
""Grüß Gott, wackerer Gesell! Wohin des Wegs?"
Zarewitsch Iwan erzählte ihm von seiner Not. Das uralte Mannlein antwortete:
"Ach, Zarewitsch Iwan, warum hast du die Froschhaut verbrannt? Nicht du hast sie ihr gegeben, nicht du hattest sie ihr nehmen sollen. Wassilissa die Weise war klüger und gewitzter als ihr Vater, und aus Zorn darüber verwandelte er sie für drei Jahre in einen Frosch. Nun, nichts zu machen.
Hier, nimm dieses Garnknäuel, wohin es rollt, dorthin folge ihm getrost."
Zarewitsch Iwan bedankte sich bei dem uralten Mannlein und folgte dem Knäuel. Das rollte voran, er ging hinterdrein. Auf freiem Felde trat ihm ein Bär entgegen. Zarewitsch Iwan zielte, um den Bären zu erlegen. Der Bär aber sprach mit menschlicher Stimme:
"Töte mich nicht, Zarewitsch Iwan, eines Tages kann ich dir noch
nützlich sein."
Zarewitsch Iwan bedauerte den Bären, er ließ ihn ungeschoren und zog weiter.
Nach einer Weile sah er einen Erpel in der Luft. Schon zielte er, da sprach der Erpel mit Menschenstimme:
"Töte mich nicht, Zarewitsch Iwan! Ich werde dir noch nützlich sein."
Zarewitsch Iwan verschonte den Erpel und zog weiter. Da sprang ihm ein Hase über den Weg. Wieder wollte Zarewitsch Iwan das Wild erlegen, aber der Hase sprach mit Menschenstimme:
"Töte mich nicht, Zarewitsch Iwan, ich werde dir nützlich sein."
Zarewitsch Iwan verschonte auch den Hasen und zog weiter. So kam er schließlich ans blaue Meer und sah im Sand einen Hecht liegen. Der schnappte jämmerlich nach Luft und sprach:
"Ach, Zarewitsch Iwan, erbarme dich meiner, wirf mich ins blaue Meer'"
Zarewitsch Iwan warf den Hecht ins Meer und zog am Strand weiter.
Über kurz oder lang rollte das Knäuel zu einem Wald. Und dort stand eine Hütte auf Hühnerbeinen und drehte sich immer im Kreise.
"Hüttchen, Hüttchen, stehe still, wie das alte Muttchen will. Den Rücken jetzt zum Walde dreh, damit ich durch die Türe geh!"
Das Hüttchen drehte sich mit der Rückwand dem Walde, mit der Tür Zarewitsch Iwan zu. Er trat ein und sah: Oben auf dem Ofen hockte die Hexe Baba-Jaga, das Knochenbein ragte über den Ofenrand, die Nase stieß gegen die Decke.
"Was führt dich zu mir, braver Gesell?" fragte die Hexe. "Kommst du in ernsten Dingen, will dir was nicht gelingen?"
Zarewitsch Iwan antwortete:
"Ach, du alter Satansbraten, setz mir lieber etwas zu essen und zu trinken vor und richte mir das Bad, fragen kannst du nachher!"
Die Hexe Baba Jaga bereitete ihm das Bad, setzte ihm Speise und Trank vor, brachte ihn zu Bett, und Zarewitsch Iwan erzählte ihr, daß er sein Weib, Wassilissa die Weise, suche.
"Weiß schon, weiß schon", sagte Baba Jaga. "Dein Weib hält Kostschej, der vorm Tode Gefeite, gefangen. Sie zu befreien wird schwierig sein, denn es ist nicht leicht, mit Kostschej fertig zu werden. Sein Tod hängt an einer Nadelspitze, die Nadel ist in einem Ei verborgen, das Ei in einer Ente, die Ente in einem Hasen, der Hase sitzt in einer steinernen Truhe, die Truhe aber steht auf einem hohen Eichenbaum, und den behütet Kostschej wie
seinen Augapfel."
Zarewitsch Iwan übernachtete bei der Hexe, und am nächsten Morgen wies sie ihm den Weg zu der hohen Eiche. Über kurz oder lang fand Zarewitsch Iwan die Stelle, sah die hohe Eiche stehen, hörte sie im Winde rauschen, und in ihrem Wipfel erblickte er die steinerne Truhe. Aber wie sie herunterholen? Plötzlich kam der Bär gelaufen und riß die Eiche mit der Wurzel aus. Die Truhe fiel herab und zersprang. Aus der Truhe sprang ein Hase und suchte sogleich das Weite. Aber sogleich setzte ihm der erste Hase nach, überholte ihn und zerriß ihn in Stücke. Aus dem Hasen schwang sich eine Ente in die
Luft und stieg immer höher. Doch da nahte schon der Erpel, fiel über die Ente her, und sie verlor das Ei, aber das Ei fiel ins blaue Meer.
Als Zarewitsch Iwan das sah, brach er in Tränen aus. Wie sollte er das Ei im weiten Meer finden?Doch da kam der Hecht zum Ufer geschwommen und hielt das Ei zwischen den Zähnen. Zarewitsch Iwan zerbrach das Ei, holte die Nadel heraus und ergriff die Spitze, um sie abzubrechen. Er bog sie und brach sie, und Kostschej wand und krümmte sich. Wie sehr Kostschej auch um sich schlug, Zarewitsch Iwan brach die Spitze der Nadel ab, und Kostschej mußte wohl oder übel sterben.
Darauf trat Zarewitsch Iwan in Kostschejs Marmorgemächer. Wassilissa die Weise eilte ihm entgegen und küßte ihn auf die Lippen. Zarewitsch Iwan und Wassilissa die Weise kehrten in ihr Reich zurück und lebten noch lange und glücklich bis in ihr hohes Alter.![]()
Es war einmal ein Mann und eine Frau, die hatten keine Kinder. Und es klagte die Frau:
"Hab' kein Kind in der Wiege zu schaukeln, darf kein Kleinchen ans Herz mir drücken ..."
Ging der Mann eines Tages in den Wald, hackte einen Erlenscheit, brachte ihn seinem Weib und sagte:
"Hier hast Du, tu's in die Wiege und schaukle."
Da legte die Frau den Scheit in die Wiege, schaukelte sie hin und her und sang dazu:
"Schlaf, schlaf Söhnchen, mit den weißen Schulterchen und den schwarzen Äugelchen ..."
Und sie schaukelte die Wiege einen Tag, einen zweiten, am dritten Tag aber lag ein Knäblein in der Wiege.
Da freuten sich der Mann und die Frau über die Maßen. Sie nannten das Söhnchen Pilipka und ließen ihm die beste Pflege angedeihen.
Pilipka wuchs heran. Eines Tages sagte er zu seinem Vater:
"Vater mach mir einen goldenen Kahn und ein silbernes Ruder, ich will Fische fangen."
Der Vater machte ihm einen goldenen Kahn und ein silbernes Ruder und schickte ihn auf den See, Fische fangen.
Das Söhnchen aber, so war es, konnte gar nicht mehr aufhören. Tag und Tag saß er im Kahn, sogar nachts angelte er und ging nicht nach Haus, so gut bissen die Fische an. Die Mutter brachte ihm das Mittagessen. Wenn sie an den See kam, rief sie:
"Pilipka, komm an das Ufer geschwind, Küchlein essen, mein liebes Kind!"
Dann ruderte Pilipka ans Ufer, warf die Fische aus dem Kahn, aß ein Küchlein und fuhr sogleich wieder auf den See hinaus.
Hörte doch die alte Hexe Baba Jaga, die ja alle kennen, wie die Mutter Pilipka rief. Sie beschloß, ihn aus der Welt zu schaffen.
Einen Sack nahm sie und einen Schürhaken, humpelte zum See und fing an zu rufen:
"Pilipka, komm an das Ufer geschwind, Küchlein essen, mein Kind!"
Pilipka dachte, es sei die Mutter, und fuhr hin. Die alte Jaga aber faßte den Kahn mit dem Schürhaken, zog ihn ans Ufer, packte Pilipka und steckte ihn in den Sack.
"So", murmelte sie, "nun wirst du keine Fische mehr fangen."
Den Sack über den Schultern, humpelte sie heimwärts in den tiefen Wald.
Lange schleppte sie die schwere Last, und als sie schon ganz matt und müde war, setzte sie sich hin, um zu verschnaufen. Da fielen ihr die Augen zu. Pilipka aber schlüpfte flink aus dem Sack, legte schwere Steine hinein und lief wieder an den See.
Die Baba Jaga erwachte, lud den Sack mit den Steinen auf den Buckel und trug ihn ächzend und krächzend nach Haus.
Daheim angekommen, sagte sie zu ihrer Tochter:
"Brat mir zu Mittag den Fischer hier."
Und sie schüttete den Sack aus, aber heraus purzelten lauter Steine ...
Da packte die Baba Jaga eine grimmige Wut, und sie schrie, daß die ganze Hütte wackelte:
"Ich werd's dir schon zeigen, was es heißt, mich hinters Licht zu führen!"
Sie lief abermals an den See und rief:
"Pilipka, komm ans Ufer geschwind, Küchlein essen, mein liebes Kind!"
Pilipka hörte die Stimme.
"Nein, du bist meine Mutter nicht. Meine Mutter hat eine feinere Stimme."
Wie lang die Hexe auch rief, Pilipka kam nicht.
'Na schön', dachte sie, 'ich werde mir eben eine feinere Stimme zulegen.'
Und sie lief zum Schmied.
"Schmied, lieber Schmied", sagte sie, "schlage mir doch die Zunge dünner!"
"Gut", sagte der Schmied, "werd' ich machen. Lege sie auf den Amboß."
Und die Baba Jaga legte ihre lange Zunge auf den Amboß. Nahm der Schmied seinen Hammer und begann ihr die Zunge zurechtzuschmieden. Er schlug so lange, bis sie fadendünn war.
Läuft die Baba Jaga an den See und ruft Pilipka mit einem ganz feinen Stimmchen:
"Pilipka, komm ans Ufer geschwind, Küchlein essen, mein liebes Kind!"
Pilipka hörte es und dachte, daß seine Mutter ihn rufe. Er ruderte ans Ufer, dort schnappte ihn die Hexe und steckte ihn flugs in den Sack.
"Jetzt wirst du mich nicht mehr betrügen", frohlockte sie. Ohne zu verschnaufen, trug sie den Sack schnurstracks nach Haus. Schüttete ihn auf dem Boden aus und sagte zu der Tochter:
"Da ist er der Schwindler! Heiz den Ofen an und brat ihn mir gut. Daß er mir aber zum Mittagessen fertig ist."
So sprach sie und ging hinaus. Die Tochter heizte den Ofen, dann nahm sie eine Schaufel und sagte zu Pilipka:
"Leg dich auf die Schaufel, ich will dich in den Ofen stecken."
Pilipka tat wie gesagt, doch er hob die Beine hoch.
"Nicht so", schrie die Hexentochter. "So kann ich dich doch nicht in den Ofen schieben!"
Da ließ Pilipka die Beine hängen.
"So auch nicht", schrie die Hexentochter wieder.
"Ja, wie denn?" fragte Pilipka. "Zeig's mir doch."
"Bist du aber dumm", schimpfte die Hexentochter. "So muß man's machen. Schau!"
Und sie streckte sich auf der Schaufel aus. Flink nahm Pilipka die Schaufel und schob sie ins Ofenloch. und das Ofentürchen verrammelte er noch mit dem Mörser der Hexe, damit die Tochter nicht etwa aus dem heißen Ofen sprang.
Kaum war er aus der Hütte, sah er doch schon die Baba Jaga ankommen.
Da sprang er mit einem Satz auf einen hohen dichten Bergahornbaum und versteckte sich in seinem Gezweig.
Die alte Jaga trat in die Küche. Sie schnupperte mit der Nase, weil es gar so lecker nach gebratenem Fleisch roch. Aus dem Ofen nahm sie den Braten, aß sich am Fleisch satt, warf die Knochen auf den Hof, wälzte sich auf ihnen herum; dabei murmelte sie:
"Ich wend' und rolle mich. Pilipkas Fleisch aß ich, sein Blut trank ich."
Pilipka aber rief vom Ahornbaum:
"Wend' dich nur und roll dich, deiner Tochter Fleisch aßest du, deiner Tochter Blut trankest du!"
Als die Hexe dies vernahm, wurde sie vor Wut kohlschwarz. Sie lief zum Baum und fing an, mit ihren Zähnen an seiner Rinde zu nagen. Sie nagte und nagte, bis sie sich alle Zähne ausbrach, der starke Baum aber stand wie zuvor.
Lief die Baba Jaga zum Schmied.
"Schmied, lieber Schmied, mach mir eine stählerne Axt, sonst fresse ich deine Kinder."
Erschrak der Schmied und machte ihr die Axt.
Lief die Baba Jaga wieder zum Ahornbaum und begann auf ihn einzuhauen. Pilipka aber rief vom Baum:
"Nicht in den Stamm, in den Stein!"
Die Hexe erwiderte zornig:
"Nicht in den Stein, in den Stamm!"
Pilipka abermals:
"Nicht in den Stamm, in den Stein!"
Und da schlug die Axt auf den Stein und wurde ganz schartig.
Vor Wut und Bosheit kreischte die alte Hexe auf, packte die Axt und lief abermals zum Schmied.
Doch da merkte Pilipka, daß der Baum schon wackelte. Die Hexe hatte den Stamm halb durchgeschlagen. Er mußte sich retten, bevor es zu spät war.
Am Himmel flog ein Schwarm wilder Gänse vorüber. Pilipka rief ihnen zu:
"Gänse, liebe Gänse, werft mir jede ein Federchen ab. Ich flieg' mit euch zu Vater und Mutter, dort werd' ich euch belohnen!"
Und jede Gans warf ihm ein Federchen zu.
Doch mit diesen Federn konnte Pilipka nur einen halben Flügel machen.
Als ein zweiter Schwarm am Himmel daherkam, bat Pilipka abermals:
Gänse, liebe Gänse, werft mir jede ein Federchen ab, ich fliege mit euch zu Vater und Mutter ..."
Und wieder warf ihm jede Wildgans ein Federchen zu.
Flog ein dritter und vierter Gänseschwarm über Pilipka hin, und alle Gänse opfertem ihm ein Federchen.
Pilipka machte sich Flügel aus den Federn und flog den Gänsen nach.
Kam die Hexe vom Schmied angelaufen, hieb auf den Ahornbaum ein, daß die Späne nur so flogen.
Ein Hieb folgte dem andern, und plötzlich - padauz - fällt doch der Baum auf die Hexe und erschlägt sie.
Pilipka aber flog mit den Gänsen nach Haus. Wie freuten sich Vater und Mutter, als sie Pilipka wieder bei sich hatten. Sie gaben den Gänsen Hafer, setzten sich fröhlich zum Schmaus, und damit ist das Märchen aus.![]()
Es war einmal ein alter Mann, der hatte drei Töchter. Die Älteste und die Mittlere waren putzsüchtige Dinger, die Jüngste aber besorgte die Wirtschaft, und alles ging ihr flink von der Hand. Zudem war sie so schön, daß es kein Märchen zu sagen, keine Feder zu beschreiben vermag: Brauen, schwarz und dicht, Augen, hell und licht, und der blonde Zopf, Mägdeleins Stolz, hing gar bis in die Kniekehlen ihr.
Eines Tages rüstete sich der Vater in die Stadt zur Messe und fragte seine Töchter, was er einer jeden mitbringen solle.
Bat die Älteste: "Lieber Vater, kaufe mir rote Seide zu einem neuen Sarafan!"
Die mittlere Tochter wünschte sich himmelblaue Seide für einen neuen Sarafan.
"Und was möchtest du, mein Lieblingskind?" fragte der Alte die Jüngste.
"Lieber Vater, bring mir eine Feder von Finist dem edlen Falken."
Diese Bitte verwunderte den alten Mann, er nahm Abschied von seinen Töchtern, stieg in seine Kutsche und fuhr in die Stadt. Für die beiden älteren Töchter kaufte er, was sie sich gewünscht; doch so lange er auch suchte, eine Feder von Finist dem edlen Falken vermochte er nirgendwo zu finden.
So kehrte der Alte mit seinen Geschenken heim und erfreute die älteste und die mittlere Tochter.
"Nehmt denn, worum ihr mich gebeten, ihr meine lieben Töchter. Für dich aber", er wandte sich an die Jüngste, "konnt' ich die Feder von Finist dem edlen Falken nicht finden."
"Das tut nichts", entgegnete sie. "Vielleicht glückt's dir ein andermal."
Die älteren Schwestern schnitten sich flugs ihre neuen Gewänder zu und begannen zu nähen. Die Jüngste lachten sie aus. Doch das brave Mägdelein ließ es sich nicht verdrießen.
Als der Vater wiederum in die Stadt fahren wollte, fragte er seine Kinder:
"Ihr meine lieben Töchterlein, was soll ich euch diesmal mitbringen?"
Die Älteste und die Mittlere baten um bunte Tücher, die Jüngste aber entgegnete:
"Lieber Vater, bring mir eine Feder von Finist dem edlen Falken."
Der Vater stieg in seine Kutsche und fuhr in die Stadt. Er kaufte zwei bunte Tücher, doch eine Feder von Finist dem edlen Falken fand er nirgendwo. So kehrte er heim und sprach:
"Liebste Tochter mein, ich habe wiederum keine Feder von Finist dem edlen Falken gesehen."
"Betrüb dich nicht, mein Vater! Vielleicht glückt's dir ein andermal."
Es begab sich aber, daß der Vater zum dritten Mal in die Stadt fahren mußte. Da fragte er seine Kinder:
"Sagt, liebe Töchter mein, was ich euch kaufen soll."
Baten die beiden Älteren:
Lieber Vater, kauf uns Ohrgehänge."
Doch die Jüngste sagte nur:
"Kaufe mir eine Feder von Finist dem edlen Falken!"
Der alte Mann kam zur Messe. Er kaufte die goldenen Ohrgehänge und begab sich sodann auf die Suche nach einer Feder von Finist dem edlen Falken für seine Jüngste. Doch wen er auch fragen mochte, keiner wußte ihm Rat. Das betrübte den alten Mann zutiefst, und er verließ bekümmert die Stadt. Hinter dem Stadttor begegnete ihm ein graubärtiger Greis mit einem kleinen Schächtelchen.
"Was trägst du in deinem Schächtelchen, alter Mann?"
"Eine Feder von Finist dem edlen Falken."
"Was verlangst du für sie?"
"Wenn du mir tausend Rubel gibst, will ich's zufrieden sein."
Der Vater zahlte den Preis und fuhr mit dem Schächtelchen heim.
Liebevoll empfingen ihn seine Töchter. Nach der Begrüßung reichte er den Älteren die goldenen Ohrgehänge.
Drauf wandte er sich der Jüngsten zu:
"So höre denn, mein Lieblingskind. Endlich hab ich auch für dich das rechte Geschenk gefunden. Nimm es und freu dich daran."
Die jüngste Tochter sprang freudig auf, nahm das Schächtelchen, begann es zu herzen und zu küssen und fest an den Busen zu drücken.
Nach dem Nachtmahl begaben sich alle in ihre Gemächer, um der Ruhe zupflegen. Als die Jüngste in ihre Schlafstube trat, öffnete sie jedoch das Schächtelchen, warf die Feder auf den Boden und sprach:
"Tritt vor mich, Finist, du edler Falke. Zeige dich mir, mein ersehnter Bräutigam!"
Da stand wie aus der Erde gewachsen ein herrlicher Jüngling vor ihr. Das Mägdelein erschrak gar sehr, doch als er mit ihr zu sprechen anhub, wurde ihr froh und leicht zumut. Sie führten lange Reden miteinander. Am Ende vernahmen die Schwestern das traute Geflüster und fragten:
"Mit wem wisperst du in deinem Kämmerlein, liebe Schwester?"
"Ich red so für mich hin", entgegnete das holde Mägdelein.
"Laß uns rasch ein zu dir!"
Da warf sich der Zarensohn auf den Boden und verwandelte sich in eine Feder zurück. Das Mägdelein verwahrte die Feder im Schächtelchen und öffnete die Tür. Neugierig blickten die Schwestern hierhin und guckten dorthin, konnten jedoch nichts entdecken. Kaum daß sie gegangen waren, wurde die Feder wieder zum schönen Zarensohn. als der Morgen graute, öffnete das Mägdelein ein Fenster. Finist der edle Falke küste die Herzallerliebste zum Abschied und sprach:
"Will jede Nacht, so du rufst nach mir, geschwind herbeifliegen zu dir! Steht nach prunkvollen Gewändern und funkelnden Kleinodien dein Sinn, so tritt auf die Treppe vors Haus, winke mit meiner Feder nach rechts, und du wirst alles vor dir sehen, was dein Herz begehrt. Winkst du nach links, so verschwindet es allsogleich."
Er küßte sie noch einmal, verwandelte sich in einen edlen Falken und flog in den finsteren Wald. Das Mädchen blickte dem Herzallerliebsten nach, schloß das Fenster und legte sich zur Ruhe.
Von nun an kam jede Nacht der schöne Jüngling, Finist der edle Falke, zu ihr zu Gast.
Der Sonntag brach an. Die älteren Schwestern machten sich für den Kirchgang bereit. Sie schlüpften in ihre neuen Sarafane, legten die bunten Tücher um, schmückten sich mit den goldenen Ohrgehängen und kicherten über die Jüngste:
"Womit willst du dich heute nur putzen? Hast kein neues Gewand und keinerlei Tand! Bleib lieber gleich daheim mit deinem Federlein."
Friedfertig entgegnete das Mägdelein:
"Ich finde es auch daheim sehr schön!"
So begaben sich die älteren Schwestern in ihrem Staat zum Morgengebet. Die Jüngste aber setzte sich in ihrem alten Sarafan ans Fenster und blickte hinaus zu den Menschen.
Nach einer guten Weile trat sie hinaus auf die Vortreppe, schaute sich um, und da sie keine Menschenseele gewahrte, winkte sie mit der bunten Feder nach rechts. Da stand miteins eine kristallene Kutsche vor ihr, mit edlen Pferden vorgespannt, einer Dienerin, ganz in Gold gehüllt, und ein prachtvolles Gewand mit erlesenen Kleinodien aus funkelnden Edelsteinen lag für sie bereit.
Flugs kleidete sich das schöne Mägdelein um, setzte sich in die Kutsche und fuhr zur Kirche. Beim Anblick von so viel Schönheit wußte sich die Menge vor Erstaunen nicht zu fassen. "Vielleicht ist das die Königstochter aus dem dreimal zehnten Zarenreich!" flüsterten die Leute einander zu. Noch war die Messe nicht beendet, da verließ das schöne Mägdelein die Kirche, stieg in die Kutsche und fuhr vondannen. Die Menschen drängten hinterdrein, um zu sehen, wohin sie fuhr, doch da war sie bereits verschwunden.
Das schöne Mägdelein fuhr zu seinem Elternhaus, winkte mit der bunten Feder nach links, die Dienerin nahm ihr die Gewänder ab, und die kristallene Kutsche verschwand.
So saß sie denn, als sei nichts geschehen, und sah aus dem Fenster, wie die Leute aus der Kirche strömten und heimwärts wandelten. Bald kamen auch ihre Schwestern zurück.
Aufgeregt erzählten sie:
"Ach, liebe Schwester, was heute für ein schönes Mägdelein zur Messe kam! Wir konnten uns gar nicht satt sehen an ihr. Kein Märchen vermag es zu sagen, keine Feder es zu beschreiben! Es war wohl eine Königstochter aus fremden Landen. So reich gekleidet, so prunkvoll geschmückt! Du aber bist daheim geblieben und hast nichts von alldem geschaut!"
"Das tut doch nichts, gute Schwestern, ihr habt mir alles so herrlich beschrieben, als hätt' ich's mit eigenen Augen gesehn."
Dann kam der zweite und schließlich der dritte Sonntag; das schöne Mägdelein nasführte das ehrliche Volk, den Vater und auch die Schwestern. Nur vergaß sie beim letzten Mal, als sie sich entkleidete, eine diamantenbesetzte Nadel aus dem Haar zu ziehen.
Die älteren Schwestern kehrten aus der Kirche heim, erzählten wiederum von dem schönen Königskind und bemerkten miteins den funkelnden Brillanten in ihrer Schwester Haar.
"Holde Schwester, was steckt dort in deinem Haar?! riefen die Mädchen verwirrt. "Genau so eine Nadel wie du trug heute die Königstochter in ihrer Frisur. Woher hast du sie?"
Das wunderschöne Mägdelein stöhnte auf vor Schreck und eilte in ihr Gemach. Die Fragen, das Raten und Flüstern, sie wollten kein Ende nehmen, doch die jüngste Schwester lächelte nur still vor sich hin.
So huben die älteren Schwestern an, auf die Jüngste Obacht zu geben, sie horchten des nachts an ihrem Kämmerlein und erlauschten am Ende ihr Geplauder mit Finist dem edlen Falken. Geschwind eilten sie zu ihrem Vater hin.
"Hör, lieber Vater, nur! Heimlich weilt jemand des nachts bei unserer Schwester und unterhält sie mit trautem Gewisper!"
Der Vater erhob sich von seiner Ruhestatt und ging zur jüngsten Tochter. Als er in ihre Schlafstube trat, hatte der Zarensohn sich in die Feder zurückverwandelt und lag längst im kleinen Schächtelchen.
Da schalt der Alte die Töchter aus:
"Ach, ihr ungebührlichen Dinger. Was redet ihr Schlechtes von eurer Schwester! Habt lieber auf euch selber acht!"
Die Schwestern hatten dennoch auf die Jüngste ein Auge und bemerkten eines Tages, wie ein Falke zu ihr ins Fenster flog. Da griffen sie zu einer List. Als es dunkelte, stellten sie eine Leiter ans Haus und steckten in den Fensterrahmen vor dem Zimmer des schönen Mägdeleins scharfe Messer und spitze Nadeln.
Nachts flog Finist der edle Falke herbei, doch wie er sich auch mühte und plagte, er konnte nicht in die Stube gelangen, er riß sich die Brust nur wund und zerschnitt sich die Schwingen. Das Mägdelein aber schlief und hörte nichts.
"Lebwohl, trautes Mägdelein mein!" rief er leise. "Wenn du mich finden willst, so suche mich im dreimal neunten Zarenreich, im dreimal zehnten Staat zugleich. Wirst mich finden, wenn du drei Paar eiserne Schuhe durchläufst, wenn du drei Paar eiserne Wanderstäbe zerbrichst und drei steinerne Weihbrote verzehrst!"
Das Mägdelein vernahm die traurigen Worte im Schlaf, doch aufwachen und aufstehen konnte sie nicht.
Als das Mägdelein am Morgen die Augen aufschlug, merkte sie - es tagte bereits, bald müßte die Sonne aufgehen, doch der schöne Jüngling, der edle Falke Finist, war nirgendwo zu sehen. Sie blickte aus dem Fenster, da steckte kreuzweise scharfe Messer und spitze Nadeln im Rahmen, und rotes Blut tropfte zur Erde. Verzweifelt rang das Mägdelein die Hände so zart und fein!
"Die Schwestern haben mein Herzallerliebsten ins Verderben gestürzt!"
Lange vergoß das holde Mägdelein bittere Zähren, viele schlaflose Nächte verbrachte sie am Fenster des Kämmerleins, winkte mit dem bunten Federlein, doch Finist der edle Falke blieb aus, und auch seine Diener erschienen nicht mehr.
Das Mägdelein war schier untröstlich, trat schließlich mit Tränen in den Augen zum Vater und flehte ihn an:
"Lieber Vater, laß mich in die fernen Lande ziehen. Bleib ich am Leben, so wollen wir uns wiedersehen. Muß ich denn sterben, so ist mir's nicht anders beschieden."
Diese Worte betrübten den Vater zutiefst, doch er ließ sein Töchterlein ziehen und gab ihr den Segen. Da ließ sie sich drei Paar eiserne Schuhe anpassen, drei eiserne Wanderstäbe schmieden und drei steinerne Weihbrote backen. Sie zog das erste Paar eiseren Schuhe an, nahm den ersten eisernen Wanderstab in die Hand und zog dorthin, woher Finist der edle Falke geflogen kam.
Sie wanderte durch düstere Wälder und heiße Wüsten, über hohe Berge und durchquerte ungestüme Flüsse.
Ob sie nun lange Zeit ging oder kurze Zeit, wer weiß es zu sagen. Der Wald wurde finsterer und dichter nur, und die Wipfel der Bäume ragten in den Himmel empor. Ein paar eiserne Schuhe hatte sie schon durchlaufen, einen eisernen Wanderstab zerbrochen, ein steinernes Weihbrot verzehrt. Da gelangte sie auf eine Waldwiese. Miteins stand vor ihr ein Hüttlein auf zwei Hühnerbeinen und drehte sich hin und her.
Sprach das Mägdelein:
"Hüttlein, Hüttlein! Sollst mit der Rückwand zum Walde stehn, sollst die Türe zu mir drehn, will eintreten flink, am frischen Brot mich laben geschwind."
Da drehte sich die Hütte ihr mit der Türe zu. Sie trat ein und erblickte die Hexe Baba Jaga ausgestreckt, die spitze Nase zur Decke gereckt.
"Pfui, pfui, pfui!" rief die Hexe aus. "Früher war Menschenfleisch hier nicht zu sehen, nicht zu spüren, jetzt läuft's durch die Welt und wagt sich mir gar unter die Augen, kommt mir mit seinem Geruch unter die Nase! Wohin willst du, schönes Mägdelein? Hast einen Auftrag du auszuführen oder schweifst nur aus Kurzweil umher?"
"Ach, Großmutter, ich hatte einen Bräutigam, Finist den edlen Falken, im bunten Federgewand. Doch meine Schwestern taten ihm Böses an. Nun suche ich Finist den edlen Falken."
"Da hast du noch einen weiten Weg vor dir, holdes Mägdelein. Finist der edle Falke im bunten Federgewand lebt am blauen Meer im dreimal neunten Zarenreich, im dreimal zehnten Staat zugleich und ist der Königstochter versprochen. Doch ich will dir helfen!"
Und die Baba Jaga labte das schöne Mägdelein mit Speis und Trank und führt' sie zur Ruhestatt. Doch als die Sonne aufstand, weckte sie sie, gab ihr ein reiches Geschenk: ein silbernes Spinnrad und eine goldene Spindel und sprach:
"Zieh jetzt weiter zu meiner mittleren Schwester. Sie wird Gutes dich lehren; und dies hier sei mein Geschenk: ein silbernes Spinnrad und eine goldene Spindel; wenn du Flachs spinnen willst kommt ein goldener Faden heraus. Wenn du ans blaue Meer gelangst, ins dreimal neunte Zarenreich, in den dreimal zehnten Staat zugleich, wird die Braut von Finist dem edlen Falken am Strand sich ergehen, du aber setze dich nieder geschwind und beginne den Faden zu spinnen; sie wird dir mein Geschenk abkaufen wollen, du aber nimm nichts dafür. Bitte sie nur, Finist den edlen Falken zu schaun."
Baba Jaga nahm ein Garnknäuel, warf es auf den Weg und befahl dem Mägdelein, ihm zu folgen.
"Wohin es rollt, dorthin folge ihm."
Das Mägdelein dankte der alten Frau und lief dem Knäuel hinterdrein. Wieder kam sie in einen Wald, der wurde finsterer und dichter nur, und die Wipfel der Bäume ragten in den Himmel empor. Da hatte sie das zweite Paar eiserne Schuhe durchlaufen, den zweiten eisernen Wanderstab zerbrochen und das zweite steinerne Weihbrot verzehrt. Das Garnknäuel aber rollte auf eine Waldwiese wieder. Auf der Wiese stand ein Hüttlein auf zwei Hühnerbeinen und drehte sich hin und her.
Sprach das schöne Mägdelein:
"Hüttlein, Hüttlein! Sollst mit der Rückwand zum Walde stehn, sollst die Türe zu mir drehn, will eintreten flink, am frischen Brot mich laben geschwind."
Da drehte sich das Hüttlein mit der Türe ihr zu. Sie trat in die Hütte ein, erblickte die Baba Jaga ausgestreckt, die spitze Nase zur Decke gereckt.
"Pfui, pfui, pfui!" rief Baba Jaga. "Früher war Menschenfleisch hier nicht zu sehen, nicht zu spüren, jetzt läuft's durch die Welt und wagt sich mir gar unter die Augen, kommt mir mit seinem Geruch unter die Nase! Wohin willst du, schönes Mägdelein? Hast einen Auftrag du auszuführen oder schweifst nur aus Kurzweil umher?"
Entgegnete das schöne Mägdelein:
"Ach, Großmutter, ich hatte einen Bräutigam, Finist den edlen Falken, im bunten Federgewand! Doch meine Schwestern taten ihm Böses an. Nun suche ich Finist den edlen Falken."
"Ach, schönes Mägdelein, dein Finist rüstet zur Hochzeit sein! Heut ist schon der Polterabend", erwiderte die Baba Jaga. "Doch ich will dir helfen."
Sie labte das schöne Mägdelein mit Speis und Trank und führt' sie zur Ruhestatt. Am Morgen jedoch, eh' die Sonne aufstand, weckte sie sie und reichte ihr ein reiches Geschenk: ein silbernes Tellerchen und ein goldenes Ei und sprach:
"Zieh jetzt weiter zu meiner ältesten Schwester. sie wird Gutes dich lehren; und dies hier sei mein Geschenk: ein silbernes Tellerchen und ein goldenes Ei. Wenn du ans blaue Meer gelangst, ins dreimal neunte Zarenreich, in den dreimal zehnten Staat zugleich, wird die Braut von Finist dem edlen Falken am Ufer sich ergehn. Dann laß das Ei auf dem Tellerchen rollen. Sie wird dir mein Geschenk abkaufen wollen, du aber nimm nichts dafür. Bitte sie nur, Finist den edlen Falken zu schaun."
So nahm das schöne Mägdelein Abschied von Baba Jaga und folgte dem Garnknäuel.
Sie ging durch einen dunklen Wald, immer weiter fort, der Wald wurde finsterer und dichter nur, und die Wipfel der Bäume ragten in den Himmel empor. Nun hatte sie das dritte Paar eiserne Schuhe durchlaufen, den dritten eisernen Wanderstab zerbrochen, das letzte steinerne Weihbrot verzehrt, da rollte das Garnknäuel auf eine Hütte zu. Das schöne Mägdelein stand vor einem Hüttlein auf zwei Hühnerbeinen, das sich hin und her drehte.
Sprach das schöne Mägdelein:
"Hüttlein, Hüttlein! Sollst mit der Rückwand zum Walde stehn, sollst die Türe zu mir drehn, will eintreten flink, am frischen Brot mich laben geschwind."
Die Hütte gehorchte und drehte sich mit der Rückwand zum Wald und mit der Türe dem schönen Mädchen zu.
Wieder lag Baba Jaga ausgestreckt, die lange Nase zur Decke gereckt. Von allen dreien war sie die Älteste.
"PFui, pfui, pfui! Früher war Menschenfleisch hier nicht zu sehen, nicht zu spüren, jetzt läuft's durch die Welt und wagt sich mir gar unter die Augen, kommt mir mit seinem Geruch unter die Nase! Wohin willst du, schönes Mägdelein? Hast einen Auftrag du auszuführen oder schweifst nur aus Kurzweil umher?"
Entgegnete das schöne Mägdelein:
"Ach, Großmutter, ich hatt' einen Bräutigam, Finist den edlen Falken, im bunten Federgewand. Doch meine Schwestern taten ihm böses an, so flog er davon, über weite Meere, über hohe Berge, ins dreimal neunte Zarenreich, in einen dreimal zehnten Staat zugleich. Ich aber suche Finist den edlen Falken."
"Ach, schönes Mägdelein, ach, armes Kindlein mein, er hat schon die Zarentochter gefreit! Doch ich will dir helfen."
Sie labte das schöne Mägdelein mit Speis und mit Trank und führt' sie zur Ruhestatt, doch kaum waren am Himmel die Sterne verblaßt, da weckte sie das Mägdelein fein und gab ihr ein reiches Geschenk - einen goldenen Stickrahmen mit einer Nadel fein und sprach:
"Geh jetzt, holdes Mägdelein, und dies sei mein Geschenk: ein goldener Stickrahmen und dieses Nädlein fein. Wenn du ins dreimal neunte Zarenreich, in den dreimal zehnten Staat zugleich gelangst, setz dich am blauen Meere nieder, dann wird die Königstochter, die Finist der edle Falke gefreit, zu dir treten und dir den goldenen Stickrahmen mit der Nadel abkaufen wollen, du aber nimm nichts dafür. Bitte nur darum, Finist den edlen Falken zu schaun."
Da vergoß das Mägdelein bittere Tränen, dankte der alten Frau und folgte dem Knäuel.
Miteins lichtete sich der Wald, und vor ihr breitete sich, so weit das Auge reichte, das blaue Meer aus. In der Ferne funkelten auf majestätischen weißen Palästen golden die Kuppeln.
Das ist wohl das Reich von Finist dem edlen Falken, dachte das Mädchen bei sich, setzte sich an den Strand, holte das silberne Spinnrad hervor, die goldene Spindel dazu und ließ das Spinnrad surren. Ein goldener Faden ringelte hervor. Rasch fand sich eine neugierige Menge ein und wußte sich nicht zu lassen vor Staunen.
Da kam auch die Königstochter mit ihren Dienerinnen und Hoffräulein einher. Als sie das schöne Mägdelein sah, blieb sie stehen vor ihr und begann um das silberne Spinnrad und die goldene Spindel zu feilschen.
"Laß mich nur einmal Finist den edlen Falken schaun, so will ich dir's schenken", entgegnete das Mädchen.
Diese Worte mißfielen der Königstochter zwar, doch da ihr das versprochene Geschenk in die Augen stach, willigte sie ein.
"Sei's 'drum. Gib mir also dein silbernes Spinnrad und deine goldene Spindel. In der Nacht, wenn Finist der edle Falke schläft, will ich dich zu ihm führen."
Die Königstochter nahm Spinnrad und Spindel an sich, reichte jedoch Finist dem edlen Falken am Abend einen Schlaftrunk, auf daß er in tiefen Schlaf falle und spät erst erwache. Dann befahl sie, den treuen Dienerinnen und Hoffräulein, das schöne Mägdelein ins Schloß zu führen, zu ihrem Ehegemahl, Finist dem edlen Falken.
Lange wehklagte das Mägdelein über den schlafenden Bräutigam gebeugt, lange weinte am Ruhebett des Geliebten sie:
"Wach auf, schlag die Augen auf, Finist, du edler Falke mein! Ich bin's dein schönes Mägdelein. Bin zu dir gekommen, hab drei Paar eiserne Schuhe durchlaufen, hab drei eiserne Wanderstäbe zerbrochen, hab' drei steinerne Weihbrote verzehrt und habe allein nur dich, meinen Herzliebsten, gesucht."
Doch Finist der edle Falke schlief und erwachte nicht. So verging diese Nacht.
Am Morgen entließ die Königstochter das Mägdelein. Finist der edle Falke aber erwachte und sprach:
"Wie lange habe ich heut' nur geschlafen! Es muß jemand in der Kammer gewesen sein, hat bitterlich geweint und geklagt, doch ich konnte die Augen nicht öffnen, zu schwer waren die Lider mir!"
"Das hast du geträumt", entgegnete die Königstochter. "Keine Menschenseele war hier bei dir."
Tags drauf saß das schöne Mägdelein wieder am blauen Meer und ließ das goldene Ei auf dem silbernen Tellerchen rollen.
Als die Königstochter sich am Strand erging, erblickte sie das goldenen Ei und das silberne Tellerchen und begann zu bitten:
"Verkauf es mir, verkauf es mir doch."
"Laß mich nur Finist den edlen Falken schaun, so will ich dir's schenken!"
Die Königstochter war's zufrieden und reichte Finist dem edlen Falken am Abend wiederum einen Schlaftrunk.
Wieder weinte das schöne Mägdelein bitterlich am Ruhelager des Liebsten, doch sie vermochte ihn nicht zu wecken aus tiefem Schlaf:
"Wach auf, schlag die Augen auf, Finist, du edler Falke mein! Ich bin's, dein schönes Mägdelein. Bin zu dir gekommen, hab drei Paar eiserne Schuhe durchlaufen, hab drei eiserne Wanderstäbe zerbrochen, hab drei steinerne Weihbrote verzehrt und habe allein nur dich, meinen Herzliebsten, gesucht!"
Doch Finist der edle Falke schlief und erwachte nicht. So verging auch diese Nacht.
Morgens entließ die Königstochter das Mägdelein aus dem Gemach. Finist der edle Falke erwachte und sprach:
"Wie lange habe ich heut' nur geschlafen! Es muß jemand in der Kammer gewesen sein, hat bitterlich geweint und geklagt, doch ich konnte die Augen nicht öffnen, zu schwer waren die Lider mir!"
"Das hast du geträumt", entgegnete die Königstochter. "Keine Menschenseele war hier bei dir."
Am dritten Tag saß das schöne Mägdelein tieftraurig am blauen Meer und weinte. In den Händen hielt sie den goldenen Stickrahmen, und die Nadel stickte allein Faden für Faden fein. Alle, die es sahen, wußten sich nicht zu lassen vor Staunen. Auch die Zarentochter kam einher und begann allsogleich zu feilschen.
"Laß mich nur Finist den edlen Falken schaun", erwiderte das Mägdelein, "so will ich dir's schenken!"
Die Königstochter war's zufrieden und begab sich aufs Schloß. Abends reichte sie ihrem Mann wieder den Schlaftrunk. Als er eingeschlummert war, schickte sie ihre Dienerinnen nach dem schönen Mägdelein.
DAs Mädchen trat ein, versuchte den Liebsten zu wecken, umarmte ihn, küßte ihn zärtlich und weinte bitterlich: Doch er erwachte nicht, ihr Herzallerliebster.
"Wach auf, schlag die Augen auf, Finist, du edler Falke mein. Ich bin's, dein schönes Mägdelein. Bin zu dir gekommen, hab drei Paar eiserne Schuhe durchgelaufen, hab drei eiserne Wanderstäbe zerbrochen, hab drei steinerne Weihbrote verzehrt und habe allein nur dich, meinen Herzliebsten, gesucht."
Ob sie nun lange Zeit weinte oder kurze Zeit, ich weiß es nicht zu sagen. Da fiel unbemerkt eine heiße Zähre aus ihren Augen auf seine Wange. Sie brannte ihn so, daß er erwachte. Als er das schöne Mägdelein vor sich sah, war seine Freude so groß, daß kein Märchen es zu sagen, keine Feder es zu beschreiben vermag.
Sie erzählte ihm alles, was sie erlebt, wie die bösen Schwestern vor Neid ihr Schlimmes angetan, wie sie durch die halbe Welt gewandert war und mit der Königstochter einen Handel geschlossen hatte.
Da liebte er sie noch inniger als zuvor, küßte ihre Honiglippen und befahl Bojaren, Fürsten und andere Würdenträger zu sich zur Stund.
Drauf fragte er sie:
"Was ratet Ihr mir, mit welcher Frau soll mein Leben ich teilen? Mit der, die um mich gefeilscht, oder mit der, die mich errettet hat aus aller Not? Mit der, die durch dunkle Wälder, durch heiße Wüsten, über hohe Berge gewandert ist, tiefe Flüsse durchquert hat, um mich zu finden, oder mit der, die für eine Kurzweil mich hergab?"
Da versanken Bojaren, Fürsten und hohe Würdenträger in tiefes Sinnen, bis schließlich einmütig sie beschlossen: Die solle sein Eheweib sein, die ihn errettet hat aus aller Not.
So tat denn auch Finist der edle Falke, mit dem bunten Gewand, was sie ihm geraten.
Es ertönte Trompetenschall und Böllergeknall, da wurde zum Hochzeitsfest gerüstet, die Liebenden wurden vermählt und ihren Lebtag hoch geehrt.![]()