In den ächzenden Gewinden
Hat die Kelter sich gedreht,
Unter meinen alten Linden
Liegt das Laub hoch aufgeweht.
Dieser Erde Werke rasten,
Schon beginnt die Winterruh -
Sonne, noch mit unverblassten,
Goldnen Strahlen wanderst du!
Ehe sich das Jahr entlaubte,
Gingen, traun, sie müssig
nie,
Nun an deinem lichten Haupte
Flammen unbeschäftigt sie.
Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,
Und ein Traubenkoch zuletzt
Bist du nun der freie Ritter,
Der sich auf der Fahrt ergetzt.
Und die Schüler, zu den Bänken
Kehrend, grüssen jubelvoll,
Hingelagert vor den Schenken,
Dich als Musengott Apoll.
Chor der Toten
Conrad F. Meyer
Wir Toten, wir Toten sind größere
Heere
Als ihr auf der Erde, als ihr auf
dem Meere!
Wir pflügten das Feld mit
geduldigen Taten,
Ihr schwinget die Sicheln und schneidet
die Saaten,
Und was wir vollendet und was wir
begonnen,
Das füllt noch dort oben die
rauschenden Bronnen,
Und all unser Lieben und Hassen
und Hadern,
Das klopft noch dort oben in sterblichen
Adern,
Und was wir an gültigen Sätzen
gefunden,
Dran bleibt aller irdische Wandel
gebunden,
Und unsere Töne, Gebilde,
Gedichte
Erkämpfen den Lorbeer im strahlenden
Lichte,
Wir suchen noch immer die menschlichen
Ziele -
Drum ehret und opfert! Denn unser
sind viele!