Am Anfang aller Zeit, noch vor der Unendlichkeit vergangener Jahre, flutete die Göttin, deren Name unaussprechlich ist, allein und in sich ruhend, in den Abgrund der äußeren Finsternis. Und wie Sie so in den Spiegel des schwarzen, unendlichen Raumes blickte, entdeckte Sie darin ihr eigen Spiegelbild. Sie betrachtete sich lange Zeit ausgiebig und neugierig, und wie Sie sich so sah, in Ihrer ganzen strahlenden Schönheit und Perfektion, verliebte Sie sich in dieses, Ihr Abbild. Jedoch, diese Liebe ward so stark, rein und überwältigend, daß Sie, mit der Ihr innewohnenden eigenen Kraft, nach Ihrem Spiegelbilde griff und es mit einem kräftigen, aus Ihrem ganzen Herzen kommenden, sehnsuchtsvollen Ruck zu sich heraus riß. - Da war es nun, und es war ebenso schön und strahlend und rein und reizend anzuschauen, wie Sie selbst. - Sie nannte es MIRIA, die Wunderbare. Und wie sie sich so gegenüber sahen, entfachte sich Leidenschaft in Ihrer beider Herzen und in einer innigen, zärtlichen Umarmung suchten sie die Vereinigung miteinander. Und wie sie sich liebten, brach Ihre Ekstase hervor als ein Lied; ein Lied über alles, das war, das ist und das sein wird. Ein Lied, so mächtig und schön, daß alles von seinem Klang durchtränkt wurde und wird, und aus seinem Rhythmus kam Bewegung. Bewegung die so mächtig ward, daß sie Wellen erzeugte. Wellen, die sich zu größeren Wellen und schließlich zu mächtigen Strudeln emporschwangen. Strudel die so gewaltig waren, daß nichts ihnen standhalten konnte. Und so kam es, daß Miria und Sie, durch die Macht der erzeugten Strudel voneinander gerissen wurden, und sich im grenzenlosen Raum verloren. Lange versuchten sie einander zu halten, doch es war vergeblich, in einer gewaltigen, von Leidenschaft getriebenen Explosion rissen sie beide voneinander. Und so trennten sich ihre Wege, noch ehe sie sich einander richtig trafen; und so trat auch zum ersten Mal der kleine Tod in die Welt. - Doch je länger sie voneinander getrennt waren, desto mehr veränderte sich Miria. Erst langsam und unauffällig, dann immer schneller und schneller, und schließlich wurde Sie - männlich. Erst wurde sie der blaue Gott, der sanfte, lächelnde Gott der Liebe, dann der grüne Gott, der Weinlaub umschlungene, in der Erde verwurzelte Geist des Wachstums und schließlich, der gehörnte Gott, der Gott der Jagd und der wilden Tiere, dessen Antlitz der Sonne gleicht und doch finsterer ist als der Tod. Doch an Ihrer beider Liebe änderte dies alles nichts, und so suchten Sie sich weiter zu finden und Ihre Sehnsucht zueinander läßt Sie nimmer wieder los; so das sie sich seither ewig umkreisen, trachtend in Liebe zueinander zu finden. - Sie jedoch wurde rund, warm und lieblich und aus erfüllter Liebe Herrlichkeit ergossen sich alsbald, in einem Regen aus Ihr heraus, strahlende Geister, um die Welt als Geschöpfe zu bevölkern.
Und nun merkt Euch diese Geschichte und erzählt sie weiter, auf das sie lebendig werde. :)