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Diese Geschichte ist inspieriert worden durch das Online-Game:

 
 

Die Geschichte der Elben Taur-nu-Fuins





Alae thêl ... êl híla erin lû govaded mîn.

"Elo! Mae govannen, tôr. Man mathach?"

Mathon vae.

"Renich i lú i erui govannem? Nauthannen i ned ôl reniannen."
 

Gwennin in enninath... Ú-'arnech in naeth i si celich.
 

"Renich i phith i phennen?"

Mae!
 

"Naro nin i 'obennas."
 

Mae ... Am Anfang aller Zeit, noch vor der Unendlichkeit vergangener Jahre, flutete die Göttin, deren Namen unaussprechlich ist, allein und in sich ruhend, in den Abgrund der äußeren Finsternis. Und wie Sie so in den Spiegel des schwarzen, unendlichen Raumes blickte, entdeckte Sie darin ihr eigen Spiegelbild. Sie betrachtete sich lange Zeit ausgiebig und neugierig und wie Sie sich so sah, in Ihrer ganzen strahlenden Schönheit und Perfektion, verliebte Sie sich in dieses, Ihr Abbild. Jedoch, diese Liebe ward so stark, rein und überwältigend, daß Sie, mit der Ihr innewohnenden eigenen Kraft, nach Ihrem Spiegelbilde griff und es mit einem kräftigen, aus Ihrem ganzen Herzen kommenden, sehnsuchtsvollen Ruck zu sich heraus riß.
Da war es nun, und es war ebenso schön und strahlend und rein und reizend anzuschauen, wie Sie selbst.
Sie nannte es MIRIA, die Wunderbare. Und wie sie sich so gegenüber sahen, entfachte sich Leidenschaft in Ihrer beider Herzen und in einer innigen, zärtlichen Umarmung suchten sie die Vereinigung miteinander.
Und wie sie sich liebten, brach Ihre Ekstase hervor als ein Lied; ein Lied über alles, das war, das ist und das sein wird. Ein Lied, so mächtig und schön, daß alles von seinem Klang durchtränkt wurde und wird, und aus seinem Rhythmus kam Bewegung. Bewegung die so mächtig ward, daß sie Wellen erzeugte. Wellen, die sich zu größeren Wellen und schließlich zu mächtigen Strudeln emporschwangen; Strudel die so gewaltig waren, daß nichts ihnen standhalten konnte. Und so kam es, daß Miria und Sie, durch die Macht der erzeugten Strudel voneinander gerissen wurden und sich im grenzenlosen Raum verloren. Lange versuchten sie einander zu halten, doch es war vergeblich, in einer gewaltigen, von Leidenschaft getriebenen Explosion rissen sie beide voneinander. Und so trennten sich ihre Wege, noch ehe sie sich einander richtig trafen, und so trat auch zum ersten Mal der kleine Tod in die Welt.
Doch je länger sie voneinander getrennt waren, desto mehr veränderte sich Miria. Erst langsam und unauffällig, dann immer schneller und schneller, und schließlich wurde Sie - männlich.
Erst wurde sie der blaue Gott, der sanfte, lächelnde Gott der Liebe,
dann der grüne Gott, der Weinlaub umschlungene, in der Erde verwurzelte Geist des Wachstums und schließlich, der gehörnte Gott,
der Gott der Jagd und der wilden Tiere, dessen Antlitz der Sonne gleicht und doch finsterer ist als der Tod. Doch an Ihrer beider Liebe änderte dies alles nichts, und so suchten Sie sich weiter zu finden und Ihre Sehnsucht zueinander läßt Sie nimmer wieder los; so das sie sich seither ewig umkreisen, trachtend in Liebe zueinander zu finden.
Sie jedoch wurde rund, warm und lieblich. Und aus erfüllter Liebe Herrlichkeit ergossen sich alsbald, in einem Regen aus Ihr heraus,
strahlende Geister, um die Welt als Geschöpfe zu bevölkern.


 

"Im ring. Boe tolthad 'lad an i naur. Vin govedich?"


 

Ja, laß uns etwas Holz holen. Nicht war?! Lang ist es her, sehr lang nun schon, und die Erinnerung an diese Zeit des Beginns verblaßt langsam in den Nebeln. Nur noch wenige von uns sind übrig geblieben aus jenen Zeiten - die unsere Sänger so gern als die Goldenen darzustellen gewohnt sind. Doch wir wissen es besser, wir können uns noch erinnern an jene Tage und an die Tage danach, Tage voller Entberungen und Furcht, nicht war?!


 

"Mae, muindor. Dan i amar prestar aen."


 

Wohl war, Schwester ... ja, die Zeiten haben sich gewandelt. Doch laßt mich trotz allem berichten aus jenen Tagen, damit nicht verlorengeht das Wissen um den Beginn, die Geschichte unseres Volkes in der Gegenwart. Denn ihr erinnert Euch sicher noch an den Rat der Göttin, den sie uns gab, an dem Tage unserer Ankunft, hier in der Zeit?!


 

"Renich?!"


 

Lasto beth lammen, muinthel:

'Aus der Vergangenheit entsteht die Gegenwart, welche die Zukunft bestimmt und wer die Zukunft regiert, schreibt die Vergangenheit.'
Wie dumm wir damals waren. Dachten wir doch, niemand anderes könne je die Geschicke unserer Art bestimmen, denn wir selbst. Doch wir ahnten ja nicht, was uns begegnen sollte. Und so kam es dereinst, daß zu unseren Wäldern, in denen damals unbehelligt, und ohne diese je verlassen zu haben unser Volk lebte, ein Wesen kam, welches so absonderlich war, daß viele von uns furchtsam sich versteckt hielten und niemand sich getraute, als unser Vater und sein Brüder, diesem offen entgegen zu treten. 

 

"Zara, Zara i aphadon."
 

Ja, so wurde dieses Wesen genannt. Zara berichtetUnd es war gar nicht so fürchterlich, wie es nach seinem Erscheinen her den Anschein hatte. Ganz im Gegenteil, es war sehr freundlich, fast schon liebevoll und es erzählte uns von der Welt da draußen, von der Welt jenseits des Waldes. Die uns bis dahin so unbekannt war, wie die Rückseite der Mondin.
 

"Zara?! ... nan ithil ar adel..."
 

Du meinst, er wäre besser nicht gekommen?! Vielleicht, vielleicht auch nicht. Doch die Wege der Göttin sind selten von Schaden und wir, ihr Volk, sind nicht dazu erkoren, diese immer selbst zu bestimmen. Nun ja ... jedenfalls gab es schon damals warnende Worte von Einigen; viele aus den Sümpfen meinten, wir sollten diesen Wicht lieber heut als morgen verjagen, aber jene von den Wiesen fanden ihn ganz interessant und ganz zu schweigen von der Jugend, die am liebsten gleich und ohne Umschweife losgezogen wäre, um die Welt da draußen zu erforschen, von der jener Fremde so wortreich und bildhaft zu sprechen wußte, wie keiner sonst.

Und dann kam der Tag des Abschieds. Zara ging, er sagte er könne nicht länger bleiben, da ihn wichtige Geschäfte in sein Reich zurück beorderten, die er nicht länger aufschieben könne. Und wir dachten schon, nun wäre diese interessante und aufregende Geschichte zuende und die bekannte, und seit einiger Zeit doch beträchtlich gestörte Ruhe könne wieder Einzug halten in Taur-nu-Fuin. Doch bevor Zara davon ritt, schlug er uns vor, ihn und sein Volk doch auch einmal zu besuchen - jenseits des Waldes, hinter den Wassern, in den Tälern des hithuerde. Nun, wir hielten dies für einen Scherz, ohne zu ahnen, was er da anrichtete. Wir verabschiedeten uns und er ging, mit den besten Wünschen und einigen Geschenken bedacht, seines Weges und das Schicksal nahm mit ihm seinen Lauf.

Denn was war geschehen mit uns? Wir hatten nicht nur erfahren, daß jenseits unserer Welt noch andere Länder, Reiche und Wesen existierten, nein auch jene sollten natürlich somit erfahren, was sich verbarg in den tiefen Wäldern, die wir bewohnten. Denn eines war klar, wenn der aphadon uns finden konnte, so konnte dies auch jeder andere bewerkstelligen und niemand von uns hätte dies nun noch verhindern können. Und wer weiß, was da draußen noch für seltsame Geschöpfe lebten? Sicherlich, der Zara hatte uns ausgiebig berichtet und gewarnt; doch mal ehrlich, Schwester, wer weiß schon, was ein amlug ist, bevor er einem von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht?!


 

"U ben, gernim pullen u im a u ech."


 

Mae, mach dich nur lustig über mich, woher sollte ich denn wissen, daß...

Aber nein, der Reihe nach.

Jedenfalls brach heftiger Streit aus, zwischen den Bewohnern des Waldes des Erwachens; die einen wollten der Einladung des Zara Folge leisten, die anderen fürchteten sich, den Wald auch nur einen Schritt weit zu verlassen, der sie so lang schützend umgab. Doch schließlich entschied der Rat unseres Volkes, wer gehen möchte mag gehen und wer bleiben möchte mag bleiben. Mutter war natürlich dagegen zu gehen; und heut verstehe ich sie auch in ihrem Wunsch, Taur-nu-Fuin nicht den Rücken zu kehren. Doch ich war jung und die Welt da draußen lockte mit all ihren unbekannten Reizen.

Und so geschah folgendes. Am Morgen des Orgaladh brachen diejenigen von uns, welche gehen wollten zu sehen, was da draußen war, unter der Führung ihrer jeweiligen Anführer, in aller Frühe auf und wandten ihren Schritt gen Westen, der aufgehenden Sonne entgegen. Ganz so, wie es ihnen der aphadon empfohlen hatte.

Die aus den Wäldern wurden geführt von Ingwe, die aus den Sümpfen von Finwe und die aus den Wiesen von Elwe; und diese drei wurden zu großen Anführern mächtiger Völker, zu den ersten Königen der Elben.

So kam es zur ersten Trennung der Elbenvölker, denn die Völker Ingwes, Finwes und Elwes waren bereit Zara in den Westen zu folgen, doch viele andere Völker und einige wenige aus den Völkern Finwes und Elwes fürchteten sich vor Zara und den Mächten und weigerten sich den Wald des Erwachens zu verlassen. Und so kam es denn, daß diejenigen die Ingwe, Finwe und Elwe folgten, den Namen Eldar für sich beanspruchten, und jene, die zurückblieben, die Avari (die Widerstrebenden) genannt wurden.
Allein, der Weg war weit und die Straße schlecht und zu unterschiedlich die einzelnen Trupps. Und so kam es, daß die einen schneller und leichter vorankamen als jene, die zum Beispiel Kinder und Wagen mit sich führten und zahlreicher waren. Die drei Völkerschaften der Eldar waren die Vanyar, das Volk Ingwes, die Noldor, das Volk Finwes und das Volk Elwes, das sich selbst Lindar (die Sänger) nannte, welche die anderen aber als die Teleri (die Letzten) bezeichneten, denn sie waren die größte Schar, bestanden aus vielen Stämmen und kamen daher am langsamsten vorwärts.
Und so kam es, daß die Noldor und Vanyar nach Beleriand kamen, dem westlichsten Land und Ulmo, der Herr des Wassers, trug sie ihrem Wunsche entsprechend, da niemand mehr glaubte jemals das Reich Zaras zu finden, auf seine Insel nach Aman.
Doch die Teleri kamen zu den hohen Nebelbergen und dort befiel viele Angst und Unsicherheit angesichts der riesigen schneebedeckten Gipfel und sie weigerten sich weiterzugehen. Ihr Anführer war Lenwe und die Zurückbleibenden wurden die Nandor genannt.
Die übrigen Teleri unter Elwe durchquerten, auf der Suche nach dem Reiche Zaras, das Nebelgebirge und kamen nun auch nach Beleriand, wo sie fanden, daß die Vanyar und Noldor sie zurückgelassen hatten.
Baldjedoch kehrte Ulmo, der Herr der Wasser, zurück und war bereit ein zweites mal Elben auf seine Insel nach Aman zu bringen, doch da bemerkten die Teleri, daß ihr König Elwe verschwunden war...
So kam es, daß die eine Hälfte der Teleri freiwillig in Mittelerde zurückblieb, die einen weil sie ihren König suchen wollten, die anderen weil Ulmo sie überredete. Die andere Hälfte der Teleri aber, die von Elwes Bruder Olwe geführt wurde, setzte auf Ulmos Insel nach Aman über und kam nie wieder zurück. Diese wurden die Falmari genannt, die See-Elben.
Die Teleri die in Beleriand geblieben waren, fanden bald darauf Elwe wieder und erfuhren, daß Elwe aus Liebe zu einer Maia namens Melian zurückgeblieben war. Melian nahm daraufhin körperliche Gestalt an und heiratete Elwe. Sie wurden beide von den Teleri Beleriands als König und Königin angenommen und ihr Volk wurde später als die Sindar bekannt.
Die Nandor in Rhovanion blieben nicht lange ein Volk, einige von ihnen zogen durch die Lücke zwischen den Ered Nimrais und dem Nebelgebirge nach Eriador, von denen später die meisten nach Beleriand kamen, und diese wurden später die Laiquendi genannt, die Grünelben.
Bei denen die in Rhovanion geblieben waren gab es Meinungsverschiedenheiten, so daß eine Gruppe nach Norden in die Forodwaith zog, diese wurden als die Lossidil, die Schnee-Elben bekannt und die Übriggebliebenen wurden später Tawarwaith oder Waldelben genannt. Die Tawarwaith breiteten sich in den Wäldern Rhovanions aus, und kamen auch in den Wald von Rhûn, und nach Gondor ans Meer, eine kleine Gruppe zog noch weiter nach Süden, bis sie in die Haradwaith kamen, dort nannten sie sich die Tirael, die Sternensucher, aber sie wurden als die Wüstenelben bekannt.
Die Avari im Osten lebten als wanderndes Volk von Jägern und Sammlern in den dichten Wäldern von Palisor und teilten sich ebenfalls in verschiedene Völker ein.
Die Hisildi, die ursprünglich von Finwes Volk waren lebten noch an den Wassern von Cuivienen, in dem Land das sie Helcarth nannten, und ihr König war Thû, den auch die anderen Avari als Herrscher anerkannten.
Die Pêdi liebten vor allem die Berge, und wanderten schon bald durch den Eisenwald nach Südosten und lebten in den Hochwäldern des Weltengebirges.
Die Hwendi liebten den Schnee, den sie als großes Wunder betrachteten, und zogen bald in den hohen Norden und verbargen sich in den eisigen Wäldern, vor den Orks die damals aus den Eisenbergen nach Süden zogen.
Von ganz eigener Art waren die Cúind, die die weiten Wälder liebten und lange durch den Eisenwald wanderten, später flohen sie vor großen Kriegen im Osten nach Süden bis sie an das Südwestkap der Harad gelangten, ihnen folgten die Kinn-Lai, die in den wilden Wäldern gelebt hatten, und in die dunklen Wälder des Südens in die Harad zogen.
Im Westen Palisors, jenseits der Großen Öde des Ostens lebten die Penni, die später weiter nach Westen wanderten und sich mit den Tawarwaith in Rhûn und Rhovanion vermischten.
Diejenigen Elben, die in Aman lebten, nannten sich die Tareldar (Q."Hochelben"), oder Calaquendi (Q. "Lichtelben"), während diejenigen die zwar Eldar waren, aber niemals im äußersten Westen gewesen waren, die Ûmanyar hießen. Diejenigen Ûmanyar, die keine Sindar waren, also die Nandor Abkömmlinge nannte man zusammen mit den Avari die Moriquendi, die Dunkelelben.
Das letzte der Elbenvölker aber ist verflucht, denn es waren Eldar, die in Gefangenschaft geraten waren, und die durch Folter und Manipulation gefügig gemacht wurden. Diese verfluchten Elben und ihre Nachfahren wurdenbenutzt, um die Elben Beleriands auszuspionieren und zu täuschen. Sie wurden als die Kaukareldar bekannt, die verdrehten Elben. Die bekanntesten Reiche dieser Völker waren Ardor, im äußersten Süden, wo ihre Magier planten die Sonne zu vernichten, und Neän Tân im Osten, wo ihre unterirdische Hauptstadt die Brutstätte zahlreicher Seuchen wurde.

Soweit, die, zugegebener Maßen, sehr gekürzte Geschichte der Auswanderer, die uns Zurückgebliebenen übrigens auch nur bekannt wurde durch die Aufzeichnungen eines adan Namens Tolkien. ;)

Was jedoch geschah während dessen in Taur-nu-Fuin?


 

"U rim."


 

Stimmt, erst einmal nicht viel, doch als aus Wochen der Trennung erst Monate und dann Jahre wurden, begannen viele sich Vorwürfe zu machen, ihre Lieben und Verwandten nicht zurückgehalten oder begleitet zu haben, fürchteten sie doch zu recht, wie wir heute wissen, diese nie wieder zu sehen. Und dann geschah, was die aus den Sümpfen schon immer zu wissen glaubten. Die Kunde unseres Daseins verbreitete sich allmählig in der Welt da draußen und zog wie von Geisterhand getrieben immer mehr Besucher in unseren Wald. Zuerst kamen, wie sollte es anders sein, die edain - eine interessante aber sehr widersprüchliche Rasse, deren größte Schwäche wohl ihre Gier nach Macht und Einfluß ist. Doch sie wollten eigentlich nur Handel treiben und dagegen war wohl kaum etwas zu sagen. Doch in ihrer Spur, und die Menschen hinterlassen, egal wo sie sind, immer eine Spur groß und auffällig wie ein narthan, kamen andere, weit weniger angenehme Wesen. Erst die Illithiden. Nun gut, ich weiß, sie sind nicht immer die Hellsten gewesen, aber ihre Magie ist nicht zu unterschätzen und hat unseren Magiern schon manch Kopfzerbrechen bereitet - doch sie kannten das Gesetz der Welt nicht, was sie schwach machte. Viel schlimmer waren da schon die Orcs, widerliche Wesen, deren Gestank so ziemlich jede Nase für Wochen taub werden läßt und die nichts weiterzu kennen scheinen, als Tod und Zerstörung. Viele Wochen mußten wir kämpfen um ihrer Herr zu werden. Und noch immer wird mir übel, bei dem Gedanken, sie jemals wiedersehen zu müssen. Seit froh Schwester, daß ihr zu jener Zeit in der Schwesternschaft der Göttin weiltet und folglich jene Kreaturen nie wirklich zu Angesicht bekommen habt. Nun, jedenfalls kämpften wir an der Seite des amlug wacker und mit zunehmender Zeit auch immer erfolgreicher, doch war wohl abzusehen, daß der Feinde immer mehr wurden und wir so nicht länger mehr konnten bestehen in der Welt. Da erreichte uns ein Bote des Zara und berichtete uns, daß sein Volk uns in unserem Kampf schon längere Zeit beobachtete und da er ja nun wohl für unser Erscheinen in der Außenwelt mitverantwortlich zeichnet, er sich uns gern als hilfreicher Berater und Unterstützer anböte. Dieses Angebot konnten wir in unserer damaligen Lage nicht abschlagen und hinter vorgehaltener Hand sagen sogar einige, wir würden heut nicht mehr unter dieser Sonne weilen, wenn der Hohe Rat es nicht angenommen hätte, nur offen einzugestehen traut sich das wohl selbst heut noch kaum einer.

Denn bevor Elben sich öffentlich zu einem aphadon bekennen würden, der ihnen auch noch mehrfach das Leben rettete, bekämen Eiben im Winter wohl kahle Zweige und trügen Sommers grüzegefüllte Maultaschen an den Ästen.

Jedenfalls, so konnte es auf Dauer nicht weitergehen und daher wurde zum ersten Mal seit Auszug der Eldar der Hohe Rat Taur-nu-Fuins im Winter einberufen, um zu beschließen, was nun zu tun wäre, um wieder Herr über den Wald zu sein und Frieden in die Welt zu bringen, so wie es zu jenen Tagen war, bevor Zara uns fand. Jedoch der Rat konnte sich nicht einigen und da beschloß ich, auf eigene Faust den amlug um Rat zu fragen, der in der Höhle unter dem Wasserfall des Gelbsteinflusses lebte und den Berichten zufolge viele tausend Monde älter war, als jedes uns bis dato und heut bekannte Wesen.

Warum hat mir eigentlich keiner gesagt, wie groß dieser amlug ist?! Muinthel, Du hast es doch gewußt - wart ihr nicht jedes Jahr zum Ormenel-Fest dort und brachtet ihm den ersten Eirien-Salat.


 

"Pennin: Si dartho!"


 

Ach ja, und wer wäre dann fragen gegangen? Das nächste Ormenel wäre erst in 10 Monden gewesen und sonst traut ihr Euch ja nicht hin. 

Ich jedenfalls hab mich getraut, naja ... jedenfalls bis zum Wasserfall. Da machte ich dann erst einmal eine Pause um etwas Grütze zu essen, die Mutter mir noch schnell mit auf den Weg gab. Was kann ich denn dafür, daß dieser amlug nichts lieber ißt neben Eirien-Salat als Grütze. Jedenfalls hatte ich noch nicht einmal den ersten Löffel im Munde, da stürzt aus diesem Wasserfall ein Ungeheuer auf mich ein, daß ich vor Schreck die Schüssel fallen lasse und rücklings ins Wasser falle. Ich kann doch nicht schwimmen und wäre beinahe ertrunken, wenn mir nicht meine innere Stimme gesagt hätt, ich solle aufstehen, das Wasser wäre ja nur knietief. Und dieses Ungeheuer sitzt schmatzend und schlürfend mit meiner Grütze auf einem Felsen und hält sich lachend den Wanst. Na, dem hab ich vielleicht die Meinung gesagt, einfach so mir nichts dir nichts harmlose Wanderer zu überfallen und ihnen die schwer erarbeitete Mittagsmahlzeit zu stehlen.


 

"I u-vaer."


 

Gut, ich weiß, das hätte ich lieber nicht sagen sollen. Dieses Bist fauchte mich auch an, daß ich sogleich ohnmächtig wurde vom Gestank seines Atem. Jedenfalls, als ich wieder erwachte, war ich in einer, seiner, Höhle und er lag mir gemütlich gegenüber und wartete wohl, daß ich wieder zu mir kommen würde. Es täte ihm leid, aber er wäre nun einmal was er ist und er würde mich kennen und sich fragen, was ich hier verloren habe. Worauf ich ihm antwortete, daß ich auf der Suche nach ihm sei und seinen Rat für unser Volk einholen wolle, wenn er so freundlich wäre, mir diesen zu geben. Worauf er sagte, das wir Elben schon so lange zu den treuesten Freunden seiner Art gehörten, und wir schon seit Jahrhunderten gemeinsam in diesem Teil der Welt lebten, aber er könne sich nicht erinnern, daß jemals ein Elb einen Drachen um Rat und Hilfe gebeten hätte. Doch er würde gern behilflich sein und bot uns an, uns in unserem Kampfe gegen die Eindringlinge tatkräftig zu unterstützen und seine Freunde würden dies wohl ebenso gern tun, wenn er sie fragte. Doch dauerhaft gesehen, empfahl er uns die Gemeinschaft die uns einst schützte und die nun seit dem Auszug Eldar zerbrochen gewesen war, wieder zugründen und folglich solle ich ausziehen in die Welt und die Völker der Elbenwieder vereinen unter der Fahne unserer Vorfahren, in einer neuen Gemeinschaft, die von nun an "Annon Edhellen" i noss edhellen, genannt werden sollte. Daraufhin gab er mir ein Boot und Proviant für viel Tage und ich begab mich auf die Suche nach unseren Geschwistern den Gelbsteinfluß hinab.


 

"I 'lad naura vaer."


 

Mae, i 'lad naura vaer.


 

"Annach nin i halph, lugin?!"


 

Si ...
 

Viele Tage fuhr ich ununterbrochen auf dem Flusse dahin, bis sich endlich der Wald am Ufer lichtete und ich auf eine weite Ebene hinaus kam, wie ich zuvor noch nie eine gesehen hatte. Der Blick öffnete sich zwischen kleinen Gruppen von Büschen und Bäumen öffters bis an die Grenzen des Einsehbaren und fern, in der flimmernden Luft, ließ sich mancher Gipfel eines grünen Gebirges sehen. Doch unheimlich war dieser Ort schon, denn gewohnt seit Kindesbeinen an den Schutz und den Frieden des "Waldes unter dem Nachtschatten" irritierte mich die Offenheit dieses Geländes sehr und ich wäre nur zu gern wieder umgekehrt, wenn ich es nur vermocht hätte.

Und meine Bedenken wurden nicht kleiner, als ich feststellen durfte, daß ganz offenbar seltsame Geschöpfe dort zu wohnen schienen. Denn ich fand des dritten Abends, seit ich den Wald hinter mir gelassen, eine verlassene Lagerstätte längs des Ufers liegen, die Feuerstelle war noch warm, es konnte keinen Sonnenuntergang her sein, daß sie verlassen wurde, und das Seltsame daran war, daß sie nur Spuren von Pferdehufen aufzeigen konnte. So sehr ich mich auch mühte, andere zu finden, so sehr ich mich bemühte, Hinweise auf vielleicht eine menschliche Lagerstätte zu entdecken, denn ich wußte von Zara, daß die Menschen es vorzogen auf Reisen mit Pferden zu ziehen, es waren einfach keine anderen Spuren zu finden. Nur die Lager von Pferden nahe des Feuers waren zu sehen - dies stimmte mich sehr bedenklich, denn noch nie hörte ich, daß Pferde noch andere Tiere nächtens das Feuer suchten. Folglich, um mein Schicksal nicht herauszufordern, fuhr ich ein gut Stück den Fluß weiter hinab und nur sehr kurze Zeit vor Einbruch der Dunkelheit sollte ich an diesem Tage mein Nachtlager finden. Was ich ohne den Komfort eines warmen Abendmahls vollzog. Denn dieser verlassene Lagerplatz war mir denn doch zu unheimlich, und niemand konnte ja mit Bestimmtheit sagen, ob die seltsamen Lagerer nicht im Dunkel zurückkehrten, was mich also zu größter Vorsicht ermahnte und mir gebot kein Feuer zu entfachen.

Doch des Morgens sollte ich schlauer sein, viel schlauer, und um vielleicht fünf Jahre gealtert. Denn wie ich gerade die Augen aufschlug, geweckt vom dumpfen Schlagen der Pferdehufe in meinem Traum, die meist doch eher Unheil ankündigten, denn frohe Kunde, stand wie aus dem Nebel des Morgens geboren ein Wesen vor mir, daß im ersten Augenblicke mir aus einem seltsamen Traume entwichen zu sein schien. Es war ein Pferd, nein es war eigentlich ein ... ja was denn nun, es war ein Pferd, doch, ja ... mit humanoidem Oberkörper, der an der Stelle des Halses am Körper eines Rosses festgewachsen zu sein schien und es war real, nicht aus einem Traume entwichen, nein, es war sogar sehr real. Ich schnellte empor und wollte nach Bogen und Pfeilen greifen, doch dieses Ding da war weit schneller und schon blickte ich in die blitzende Spitze eines scharf gespannten Bogenpfeiles, deren blanke Dreierschneide ich schon vor einigen Monden in der Auslage eines Händlers der Menschen, welche uns regelmäßig inzwischen besuchten, staunend besehen durfte und von derer enormen Zielgenauigkeit und Durchschlagskraft schon viel Wunders unter unseren besten Schützen gesprochen wurde. Das war nun keine allzu angenehme Lage und ich betete zur Götin, daß dieses Wesen meine Sprache sprechen möge und erst frage, bevor es schieße, mit wem es es zu tun habe.
 

"Êl híla erin lû govaded mîn!" - zögernd nur verließ dieser höflichste aller Grüße, den Mutter mir beibrachte, meine Lippen. Leise nur zitterte die Spitze des auf meine Brust gerichteten Pfeiles und drohte mit gleißendem Strahl reflektierten Sonnenlichtes  mir als Antwort zurück.

"Bitte nur nicht nervös werden, jetzt." - dachte ich leise, fürchtend sie könne versehntlich die Sehne vom Finger schnellen lassen. Doch nichts geschah, keine Reaktion, kein Blinzeln mit den Augen, kein Ton verließ ihren Mund und nur das leise Scharren eines ihrer Hufe schien mir ein Zeichen zu sein, daß auch sie nicht recht wußte, wie nun in dieser Situation weiter zu verfahren wäre. Und langsam, ganz langsam, zögernd und die tötliche Waffe in ihren Händen nicht aus den Augen verlierend, versuchte ich mich leise wieder zu setzen. Was sie jedoch mit einem mir drohenden Ruf sofort zu unterbinden gebot. Ich verstand was sie sagte, auch ohne ihre Worte wirklich zu verstehen. Denn auch ich hätte so an ihrer Stelle gehandelt. Was war zu tun?
Da viel mir ein, das Zara einst erzählte, wie er einmal mit jenen seltsamen Zwitterwesen, die halb Mensch halb Tier gewesen, dereinst einmal zusammentraf. Wie hatte er sich verständigt, wäre es möglich, daß jene die Sprache der aphadrim verstünden?!
"Über der Stunde unserer Begegnung ein Stern leuchtet!" - versuchte ich, so gut ich es vermochte, in der Zuge der Menschen noch einmal, sie zu grüßen. Und siehe, ein leises Lächeln umspielte ihre Lippen und die Sehne des Bogens entspannte sich vorsichtig ein wenig, das Ziel jedoch nicht einen Augenblick verlassend. Und gebieterisch fragte sie mich: "Wie ruft man Euren Namen und was habt ihr hier verloren?"

 

"Cúron, mein Name wird genannt und suchen tue ich, die Völker der Elben!" - gab ich ihr schnell zur Antwort. 
 

"Cúron?!" - fragte sie mit hinterfragendem Blick. "Das ist Dein Name; was bedeutet er?"
 

Furchteinflößend war ihr Ton geworden, drohend, und ich wußte, daß, warum auch immer, die Antwort auf jene Frage die Situation scheinbar stark beinflussen werden würde. Wie war nur das menschliche Wort, das den Sinn meines Namens beschrieb? Es wollte mir nicht einfallen und je länger ich zögerte, kratze der Huf um so mehr im Staub des Bodens, den sie hier um jeden Preis zu verteidigen bereit zu sein schien. Hilfesuchend blickte ich leise in die Runde, was war es nur, ich konnte mich beim besten Willen nicht entsinnen, wie dieses Wort nur lautete. Da fiehl mein Blick versehntlich hinter ihre Gestallt; und wie ich mich versah, schob sich gerade leise, vom Wind des Morgens getrieben, hinter ihr eine Wolke nach Süden und gab den Blick frei auf den tiefblauen Himmel des Ostens, an dessem Rande die schmale Sichel der Mondin gerade sich anschickte, ihren Lauf über das Firmament zu beenden und ihrer wohlverdienten Tagesruh im Weltenwald entgegen zu sinken. Schnell deutete ich mit der Hand auf die Himmelssichel und gab dem Wesen zu verstehen, seinen Blick dahin zu wenden. Was es auch irritiert und nicht wissend, ob das nun eine Finte meinerseits oder die Antwort auf ihre Frage wäre, tat.
 

"Mondsichel, ist das die Bedeutung deines Namen?" - fragte sie lachend.
 

Ja, genau, das war es, Mondsichel, nein, Sichelmond war das Wort, das ich suchte. Und schnell nickte ich ihr zustimmend entgegen.
 

"Das ist doch kein Name für einen Knaben! Was seit ihr nur für ein seltsames Geschöpf?!"
 

"Ich bin ein Avari-Elb und mein Vater ist ..."
 

"Ich habe Euch nicht nach Eurem Vater gefragt. Schweig Elb!" - donnerte sie mir entgegen. "Wißt ihr, mit wem ihr sprecht und wo ihr hier seid?! Das ist das Reich Zen-tao-rien und ich bin die Tochter der Herrin dieses Landes und ich sage euch, Elb, ihr habt nur zu reden, wenn ihr gefragt seid! Ihr möget auf der Suche sein, nach eures Gleichen, wohl an, doch hier werdet ihr sie nicht finden. Also macht, daß ihr weiter kommt, wir dulden keine Fremden in unseren Grenzen."
 

Das war deutlich, nur zu deutlich und ich dachte nicht im Traum daran, ihr zu widersprechen. Sie jedoch, nahm den Pfeil von der Sehen steckte ihn zurück zu den Anderen in ihren Köcher und deutete mit ihrer wunderschönen, schlanken, weißen Hand auf die Lederflasche an meinem Gürtel.
 

"Was habt ihr da? Wein?!"
 

"Nein, merilpaich .... ähm ... Rosensirup." - stotterte ich etwas irritiert nun selbst über diese überraschende Wendung. "Möchtet ihr einen Schluck? Sehr erfrischend ist er. Meiner Mutter Mutter hat ihn eigenhändig geschlagen. Ich gebe Euch gern etwas." - entgegnete ich rasch.
 

"Ihr redet ja schon wieder, ohne gefragt zu sein. Dafür sollte ich Euch auf der Stelle töten - Unverschämter. Aber sagt, sind alle Elben so schlecht erzogen, wie ihr, oder ist es nur das Versehn Eurer Mutter, Euch kein Benehmen beigebracht zu haben?! Jedoch ... gebt mir etwas von eurem Trank, ich bin durstig und möchte mich erfrischen. Doch wehe Euch, er ist nicht so gut wie ihr redet, Avari."
 

"Oh doch, doch, bestimmt, meiner Familie Rosensirup ist weit bekannt für sein gute Quallität!" antwortet ich und hoffte, daß es stimmen möge, was erzählt wird von den Leuten. Doch nach vorsichtigem Nippen an der Flasche erstrahlte ihr Gesicht zu einem fröhlichen vergnügten Lächeln und sie trank in großen Zügen aus meiner Flasche das Getränk, das meine Lieblingserfrischung seit Kindesgedenken schon war und das in der Tradition unseres Hauses schon viel Jahre bereitet wurde, nach einem nur unseren Frauen bekannten und von Generation zu Generation geheimgehalteten, von der Mutter zur Tochter weitergegebenen Rezept,  in der Nacht des Tages auf das jährliche merilloth-Fest. Großmutter hatte schon immer behauptet, dieser Trank hätte magische Wirkung auf die Sinne und die Seele eines jeden Wesens, doch diese Wirkung hätte ich nie im Leben von ihm erwartet.
 

"Nun, Elb, ihr habt nicht übertrieben, dieser Trank ist wirklich von besonderer Harmonie und erfrischt nicht nur den Körper mir." - sagte sie lächelnd und reichte die Flasche, deren Inhalt bedenklich abgenommen hatte, mir zurück.

"Aber, wie ich Euch schon sagte, hier bleiben könnt ihr nicht, auch werdet ihr hier nicht finden, was ihr sucht, doch möchte ich Euch, Eurer unerzogenen Freundlichkeit wegen, einen Rat geben. Fahrt ohne weiteren Halt neun Tage den Fluß hinunter, dann erreicht ihr einen großen See. Dessen Nordufer bilden die Grenze unseres Reiches. Wenn ihr ihn zur Hälfte überquert habt und nirgens mehr des Ufers gewar werdet, wendet Euer Boot gen Osten, dort mündet ein weiterer Fluß in den See, wenn ihr diesen hinauffahrt, kommt ihr in den Wald zu Upminster. Dort fragt nach dem, wonach ihr suchet."

 

"Habt herzlichsten Dank!"- damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Schnell packte ich meine Decke und Sachen zusammen, verstaute alles im Boot, und drehte mich noch einmal um zu ihr, zu sehen, ob sie wirklich gewillt war, mich ziehen zu lassen. Doch sie, schon im Begriff weiter ihres Weges zu traben, wendete sich noch einmal mir zu, grüßte mit dem Bogen, warnend mir deutend, das Boot zu besteigen, und noch bevor ich "Namarie!" sagen konnte, war sie auch schon hinter den Büschen verschwunden, so schnell, wie sie gekommen war.
 

Ich bestieg eilenst das Boot und steuerte dem mir aufgezeigten Wege entgegen, wohl die Warnung im Gedächtnis behaltend, keinen Halt mehr zu machen, auf die nächsten neun Tage.
 
 

(Fortsetzung folgt ... vielleicht schon bald ;)

(c) Baba Jaga (Kay-Uwe Drese-Holstein) Berlin 2003